Stadt Fulda ehrt Gisbert Seng mit Kulturpreis

Gisbert Seng. Foto: Stadt Fulda/Walter Rammler

Bleibende Verdienste um fuldische Kultur- und Baugeschichte / Verleihung Anfang 2023 

FULDA, 22. DEZEMBER 2022: Gisbert Seng wird der 17. Träger des Kulturpreises der Stadt Fulda. Das hat die Stadtverordnetenversammlung auf ihrer letzten Sitzung des Jahres 2022 beschlossen. Die Stadt ehrt damit eine Persönlichkeit, die sich als Kunst- und Architekturrestaurator sowie als Sammler bleibende Verdienste um die fuldische Kultur- und Baugeschichte erworben hat. Die Verleihung des Kulturpreises wird voraussichtlich Anfang nächsten Jahres stattfinden.

Gisbert Seng wurde am 12. November 1933 in Fulda-Johannesberg geboren. Nach dem Besuch der Volksschule in Johannesberg (1940-1949) absolvierte er in Fulda eine Lehre als Kunst- und Kirchenmaler bei Hugo Pfister (1876-1968), um darauf zunächst im elterlichen Betrieb zu arbeiten. Parallel besuchte er in dieser Zeit die Privatkunstschule Pfisters in Fulda. Schon in diesen frühen Jahren beschäftigte sich Seng intensiv mit den mittelalterlichen und barocken kunsthandwerklichen Techniken wie etwa der Freskoübertragung, der Vergoldung und der plastischen Malerei. Zudem bildete er sich mit kunsthistorischen Studienreisen u.a. durch Italien, Österreich, Schweiz, den Niederlanden und Frankreich fort. Von 1957 bis 1960 arbeitete Seng als Restaurator in Bad Mergentheim. In dieser Zeit war er verantwortlich für umfangreiche Freilegungen und Restaurierungen von Wand- und Deckenmalereien, so etwa in der Klosterkirche in Schöntal an der Jagst.

Seit 1960 stellte Seng - zunächst als freischaffender Restaurator - seine überragenden kunsthandwerklichen Fähigkeiten in den Dienst der Stadt Fulda. Im Zusammenwirken mit dem Architekten Ernst Kramer „schuf“ er die historischen Räume im Stadtschloss so wie sie sich heute präsentieren. Sowohl das Spiegelkabinett als auch sämtliche Deckenmalereien im Stadtschloss tragen seine restauratorische wie auch künstlerische Handschrift. Gleiches gilt für die Säle in der Orangerie, die Katharinenkapelle sowie den Rokokosaal im Palais Altenstein.

Für die Stadt Fulda war es ein Glücksfall, dass sich Gisbert Seng 1973 bereit erklärte, sein umfangreiches Wissen in die Arbeit des Vonderau-Museums wie auch der städtischen Baudenkmalpflege einzubringen. Als Restaurator in der Werkstatt des Regionalmuseums hat er ein Vierteljahrhundert bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1998 dessen Arbeit und insbesondere die Neugestaltung der Ausstellung in den 90er Jahren maßgeblich mitgeprägt. Noch vor wenigen Jahren verantwortete Seng die Sanierungsarbeiten an den Deckengemälden im Nordflügel des Stadtschlosses sowie die Restaurierung des Spiegelkabinetts.

Auch als Sammler verdankt ihm die Stadt Fulda viel. Schon früh erkannten er und seine Ehefrau Helga Seng Anfang der 1960er Jahre das neue Wege beschreitende Potential im Werk seines Freundes Franz Erhard Walther. Nach Walthers Umzug nach New York 1967 war es Gisbert Seng, der eine Auswahl wichtiger Werke aufbewahrte, die ansonsten verloren gegangen wären. Mehr als 50 Jahre lang lebten Seng und seine zweite Ehefrau Katharina Bongartz mit diesen Arbeiten in ihrem Haus in Johannesberg und sorgten dafür, dass diese für eine schon seit den späten 1960er Jahren geplante öffentliche Präsentation erhalten blieben. 2019 übergab die Familie Seng das bei ihr verwahrte Frühwerk Walthers als Teil-Schenkung an die Franz Erhard Walther Foundation, verbunden mit dem ausdrücklichen Wunsch, dass die Arbeiten in ihrem Entstehungsort Fulda gezeigt werden. Mit der Eröffnung der „Villa“ am 24. September 2022 hat sich diese Hoffnung nun erfüllt. Die Eröffnung der neuen Ausstellungsräume bietet nun auch den Anlass für die Verleihung des Kulturpreises der Stadt Fulda.


Hintergrund – Kulturpreis der Stadt Fulda 
Nach der städtischen Ehrenordnung kann die Stadt Fulda für besondere Leistungen kultureller Art den Kulturpreis der Stadt verleihen. Seit der Erstvergabe 1960 wurden bisher 16 Persönlichkeiten mit dem Preis ausgezeichnet, um auf diese Weise deren langjährige Verdienste auf dem Gebiet der Bildenden Kunst, der Literatur oder der Regionalgeschichtsforschung zu würdigen: Prof. Edmund Stengel, Dr. Aloys Jestaedt, Leonhard Fessel, Ernst Kramer, Dr. Naftali Herbert Sonn, Lioba Munz OSB, Erwin Sturm, Prof. Günther Willms, Dr. Otto Berge, Gerold Effert und Walter Heller, Franz Erhard Walther und die Eheleute Helen und Prof. Tassilo Bonzel sowie Günter Sagan und Elmar Schick.