Geschichte der Auszeichnung

Seit 2019 wird jährlich der Literaturpreis der Stadt Fulda vergeben. Er würdigt das literarische Roman-Debüt der jeweiligen Buchsaison. Ermittelt wird die jeweilige Preisträgerin beziehungsweise der Preisträger von einer fünfköpfigen Jury aus Schriftstellerinnen und Schriftstellern sowie Literaturkritikerinnen und Literaturkritikern. Aus den Roman-Erstlingswerken küren sie das aus ihrer Sicht bemerkenswerteste Debüt.

 

Erste Preisträgerin des mit 10.000 Euro dotierten Literaturpreises Fulda war 2019 Johanna Maxl für ihren Roman „Unser großes Album elektrischer Tage“. 2020 ging die Auszeichnung zu gleichen Teilen an Nadine Schneider für ihr Debüt „Drei Kilometer“ und an Olivia Wenzel für ihr Buch „1000 Serpentinen Angst“. 2021 wurde Timon Karl Kaleyta für seinen Debüt-Roman "Die Geschichte eines einfachen Mannes" ausgezeichnet. Die Preisgelder wurden jeweils von der Jubiläumsstiftung der Sparkasse Fulda zur Verfügung gestellt, die Hauptsponsor des Literaturpreises Fulda ist.

Der Preisträger des Literaturpreises Fulda 2022

Der Literaturpreis der Stadt Fulda geht in diesem Jahr an Edgar Selge. Der renommierte Schauspieler und Autor hat im Oktober des vergangenen Jahres seinen ersten Roman „Hast du uns endlich gefunden“ (Rowohlt) veröffentlicht. Sein Erstlingswerk befand die unabhängige fünfköpfige Jury als das literarisch bedeutendste Romandebüt der Buchsaison Herbst 2021/Frühjahr 2022. Die Würdigung ist mit einem Preisgeld von 10.000 Euro verbunden. Die diesjährige Jury setzt sich zusammen aus dem Literaturkritiker Christoph Schröder, der Schriftstellerin Zsuzsa Bánk, der Essayistin und Literaturkritikerin Dr. Hanna Engelmeier, dem Schriftsteller Jan Brandt und dem Autor Timon Karl Kaleyta, Preisträger des Literaturpreises Fulda 2021. Organisiert wird der Literaturpreis Fulda im Auftrag der Stadt Fulda von Silke Hartmann von der Agentur „Kulturperle – Kommunikation und Kulturmanagement“.

Die Begründung der Jury:

„Edgar Selges literarisches Debüt ist das scharf gestellte Porträt der deutschen Nachkriegszeit, gesehen mit den Augen eines Heranwachsenden. Erfahrungen familiärer Gewalt, Versuche, nationalsozialistische Prägung abzustreifen, und die Sehnsucht nach einem kultivierten Leben verbindet Edgar Selge in einem verblüffenden Tonfall mit der berührenden Erzählung von tragischen Verlusten. ,Hast du uns endlich gefunden‘ ist ein Buch voller Erkenntnisse, getragen von Lebenserfahrung und der Bereitschaft des gereiften Erzählers, sich mit den Traumata seines Aufwachsens zu versöhnen.“

Zum Inhalt des Romans:

„Hast du uns endlich gefunden“ handelt von einem Zwölfjährigen und seiner Geschichte zwischen Gefängnismauer und klassischer Musik. Der Roman erzählt von einer Kindheit um 1960. Im bürgerlichen Haushalt des jungen Protagonisten wird viel musiziert. Sein Vater ist Gefängnisdirektor. Der Krieg ist noch nicht lange vorbei, und die Eltern des Jungen versuchen, durch Hingabe an klassische Musik und Literatur nachzuholen, was sie ihre verlorenen Jahre nennen. Überall spürt der Junge Risse in jener geordneten Welt. Gebannt verfolgt er die politischen Auseinandersetzungen, die seine älteren Brüder mit Vater und Mutter am Esstisch führen. Aber er bleibt Zuschauer, und immer öfter flüchtet er sich in die Welt der Fantasie. Dieser Junge, den der Autor als fernen Bruder seiner selbst betrachtet, erzählt den Leserinnen und Lesern sein Leben und entdeckt dabei den eigenen Blick auf die Welt. Wenn sich der erwachsene Edgar Selge hin und wieder kommentierend selbst einschaltet, wird deutlich, dass die Schatten der Kriegsgeneration bis in die Gegenwart hineinreichen. Die Musik, ob Bach oder Beethoven, Marschmusik oder Gospel, durchzieht den Roman wie eine zweite Erzählung und begleitet den unbeirrbaren Drang nach Freiheit.

Über den Autor:

Edgar Selge ist einer der bedeutendsten Charakterdarsteller im deutschsprachigen Raum. 1948 geboren, wuchs er im ostwestfälischen Herford als Sohn eines Gefängnisdirektors auf. Zunächst studierte er klassisches Klavier in Wien sowie Philosophie und Germanistik in München und Dublin. Seine Schauspielausbildung schloss er 1975 an der Otto Falckenberg Schule in München ab. Ab 1978 gehörte er bis 1991 zum festen Ensemble der Münchner Kammerspiele, an denen er auch in den Folgejahren weiterhin gastierte. Neben seiner Bühnenarbeit wirkte Edgar Selge in mehr als 70 Film- und Fernsehproduktionen mit und erhielt für seine schauspielerische Leistung bedeutende Auszeichnungen. Er lebt mit der Schauspielerin Franziska Walser zusammen. Das Paar hat zwei Kinder. „Hast du uns endlich gefunden“ ist Edgar Selges Romandebüt.