Geschichte der Auszeichnung

Seit 2019 wird jährlich zum Abschluss der Reihe "Literatur im Stadtschloss" der Literaturpreis Fulda vergeben, der das literarische Roman-Debüt des Jahres würdigt. Ermittelt wird die jeweilige Preisträgerin beziehungsweise der Preisträger von einer fünfköpfigen Jury aus Schriftstellerinnen und Schriftstellern sowie Literaturkritikerinnen und Literaturkritikern. Aus den Roman-Erstlingswerken der Büchersaison küren sie das aus ihrer Sicht bemerkenswerteste Debüt.

Erste Preisträgerin des mit 10.000 Euro dotierten Literaturpreises Fulda war 2019 Johanna Maxl für ihren Roman „Unser großes Album elektrischer Tage“.


2020 ging die Auszeichnung zu gleichen Teilen an Nadine Schneider für ihr Debüt „Drei Kilometer“ und an Olivia Wenzel für ihr Buch „1000 Serpentinen Angst“.


Aufgrund der Corona-Pandemie musste die ursprünglich für Ende Mai geplante Verleihung in den September verschoben werden. Hauptsponsor des Literaturpreises Fulda ist die Jubiläumsstiftung der Sparkasse Fulda. 

Die Preisträgerinnen des Literaturpreises Fulda 2020

Im Jahr 2020 verlieh die Jury den mit 10.000 Euro dotierten Literaturpreis Fulda zu gleichen Teilen an Nadine Schneider für ihr Buch "Drei Kilometer" und an Olivia Wenzel für ihren Roman "1000 Serpentinen Angst". Der Schriftsteller und Journalist Jan Brandt und die Autorin Johanna Maxl, Preisträgerin des Literaturpreises Fulda 2019, hielten als Jurymitglieder die Laudationen. Die beiden Preisträgerinnen lasen Passagen aus ihren Debüts. Coronabedingt konnte die Preisverleihung erst im September und nur im kleinen Kreis stattfinden. Anlässlich der Verleihung des Literaturpreises Fulda 2020 sind zwei Podcasts erschienen, für die Nadine Schneider und Olivia Wenzel Auszüge aus ihren Büchern eingelesen haben und auf denen zudem die Würdigungen von Jan Brandt und Johanna Maxl zu hören sind. Die Podcasts stehen zum Download bereit unter www.kreuz.com/podcast 

Nadine Schneider: „Drei Kilometer“
Nadine Schneider, geboren 1990 in Nürnberg, studierte Musikwissenschaft und Germanistik in Regensburg, Cremona und Berlin. Sie veröffentlichte Kurzgeschichten in Anthologien, war mehrfach Stipendiatin der Bayerischen Akademie des Schreibens und erhielt für „Drei Kilometer” den Bloggerpreis für Literatur „Das Debüt 2019“. Sie lebt in Berlin und arbeitet dort am Theater.
„Drei Kilometer” spielt im Rumänien des Jahres 1989: Die Hitze ist drückend, das Getreide steht hoch, sonst würde man bis zur Grenze sehen können. Der Gedanke an Flucht liegt verlockend und quälend nahe, noch weiß niemand, was kommt und was in ein paar Monaten Geschichte sein wird. In einem Dorf im Banat, weit weg von Bukarest, dem Machtzentrum des Ceaușescu-Regimes, erlebt Anna einen Spätsommer von dramatischer und doch stiller Intensität – und eine Dreiecksgeschichte.

Auszug aus der Begründung der Jury:
„Drei Kilometer“ erzählt von der Zeit in einem rumänischen Dorf vor dem Sturz der Diktatur. Besonders bemerkenswert ist die ruhige poetische Sprache, in der Nadine Schneider von Beziehungen erzählt und durch Auslassungen große Imaginationsräume schafft.

Olivia Wenzel: „1000 Serpentinen Angst“
Olivia Wenzel, geboren 1985 in Weimar, studierte Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis an der Uni Hildesheim. Sie schreibt Theatertexte, Prosa und macht Musik als Otis Foulie. Wenzels Stücke wurden unter anderen an den Münchner Kammerspielen, am Hamburger Thalia Theater, am Deutschen Theater Berlin und am Ballhaus Naunynstrasse aufgeführt. Neben dem Schreiben leitet sie Textwerkstätten mit Kindern und Jugendlichen an. „1000 Serpentinen Angst“ ist ihr erster Roman, mit dem sie es auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis geschafft hat. Olivia Wenzel lebt und arbeitet in Berlin.
In "1000 Serpentinen Angst" besucht eine junge Frau ein Theaterstück über die Wende und ist die einzige schwarze Zuschauerin im Publikum. Mit ihrem Freund sitzt sie an einem Badesee in Brandenburg und sieht vier Neonazis kommen. In New York erlebt sie den Wahlsieg Trumps in einem fremden Hotelzimmer. Wütend und leidenschaftlich schaut sie auf unsere sich rasant verändernde Zeit und erzählt dabei auch die Geschichte ihrer Familie: von ihrer Mutter, die Punkerin in der DDR war und nie die Freiheit hatte, von der sie geträumt hat. Von ihrer Großmutter, deren linientreues Leben ihr Wohlstand und Sicherheit brachte. Und von ihrem Zwillingsbruder, der als Jugendlicher ums Leben kam.

Auszug aus der Begründung der Jury:
„1000 Serpentinen Angst“ erzählt von den Konsequenzen anhaltender Diskriminierung in einer Weise, die es in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur so noch nicht gab. Olivia Wenzel arbeitet mit dialogischen Formen, Kommunikations- und Diskursfragmenten und stellt historische und persönliche Erfahrungen neu zur Diskussion.