Aufgaben

Das Stadtarchiv Fulda verwahrt die bis in das Jahr 1295 zurückreichende schriftliche Überlieferung der Stadt Fulda in Form von Urkunden, Amtsbüchern (z.B. Ratsprotokollen), Rechnungen, Akten, Karteien, Plänen und sonstigen Unterlagen. Zu den Beständen gehören auch die Archive der 1939 eingemeindeten Orte Neuenberg und Horas sowie das Schriftgut der im Jahre 1972 nach Fulda eingegliederten Orte.

Die Tätigkeit des Stadtarchivs beschränkt sich allerdings nicht nur auf die Verwahrung "altehrwürdiger" Dokumente. Seine verantwortungsvollste Aufgabe besteht in der Bewertung des bei den städtischen Dienststellen anfallenden Schriftguts auf dessen Archivwürdigkeit. Die als nicht-archivwürdig eingestuften Dokumente werden nach dem Ablauf der teilweise durch Gesetz geregelten Aufbewahrungsfristen vernichtet. Die archivwürdigen Unterlagen stehen dagegen nach ihrer Übernahme durch das Archiv und der dort vorgenommenen inhaltlichen Erschließung mittels der EDV der Verwaltung und der Öffentlichkeit in der Regel im Original zur Verfügung.

Geschädigte Akten vor der Restaurierung und der Übernahme in das Archiv

Als Fachabteilung berät das Stadtarchiv die städtischen Stellen bei der Verwaltung und Sicherung ihrer Unterlagen. Zudem wird das Archiv innerhalb der Stadtverwaltung an allen grundsätzlichen Fragen beteiligt, welche Auswirkungen auf die spätere Archivierung haben (z.B. Aktenplan, Aktenordnung, Einsatz der Datenverarbeitung, Einsatz von Mikrofilmen oder von Recyclingpapier).

Als eine der wichtigsten Anlaufstellen in allen Fragen zur Geschichte Fuldas und seiner näheren Umgebung sammelt das Stadtarchiv außerdem das für die Geschichte und Gegenwart der Stadt und des Umlandes bedeutsame Dokumentationsmaterial, sofern es sich nicht um Museumsgut handelt. Für letzteres ist das städtische Vonderau-Museum zuständig.

Durch Publikationen, Vorträge, die Unterstützung von Forschungsvorhaben und die enge Zusammenarbeit mit dem Fuldaer Geschichtsverein sowie weiteren Institutionen fördert das Stadtarchiv die weitere Erforschung der fuldischen Stadt- und Landesgeschichte.

Geschichte

Die Zeugnisse für die Existenz eines städtischen Archivs vor dem Jahre 1800 sind spärlich. Die vom Rat als wertvoll eingeschätzten Dokumente (Urkunden, Rechnungen, Ratsprotokolle) sind offenbar am jeweiligen Sitz des Rathauses verwahrt worden. Einzelheiten sind leider nicht bekannt. Eine erste systematische Erfassung der städtischen Überlieferung erfolgte Anfang des 19. Jahrhunderts in zwei umfangreichen Repertorien (Findbücher), welche das gesamte Schriftgut in 88 sachthematische, alphabetisch gereihte Rubriken von "Abgaben" bis "Zünfte" einteilte. Einen großen Zuwachs erhielt das Archiv durch die im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts erfolgte Übernahme der Unterlagen der unterstädtischen Gemeinden (Altenhof, Hinterburg, Lengsfeldergasse), der Spitäler, der Armenverwaltung und des Landkrankenhauses (einschließlich der darin befindlichen Unterlagen des Hünfelder Stiftes Heilig Kreuz).

Im Jahre 1901 erhielt das Archiv mit Dr. Josef Kartels (1869-1931) seinen ersten hauptamtlichen Betreuer. Kartels unterteilte das Schriftgut mit Ausnahme der Urkunden in 24 Sachgruppen und schuf damit die noch heute gültige Einteilung der Altbestände vor 1945 (vgl. Bestände). Das Wirken des neuen Archivars dauerte leider nur bis zum Jahre 1904, da nach der Neuordnung der Akten die Stadtverordneten keine Notwendigkeit für eine Verlängerung des Vertrages sahen. Besonders verdient hat sich Kartels neben seiner archivarischen Tätigkeit durch die Herausgabe der Fuldaer Rats- und Bürgerlisten gemacht, die zu einem unentbehrlichen Hilfsmittel für die Forschung geworden sind.

In der Folge wurde das Stadtarchiv nur noch nebenamtlich verwaltet, so u.a. durch den Direktor der Landesbibliothek Dr. Joseph Theele (1889-1944), der seit 1939 in erster Linie mit der Sicherung der Archivalien beschäftigt war.

Den Zweiten Weltkrieg überstand das städtische Archiv unversehrt in einem Keller des Stadtschlosses. Nach dem Krieg währte die nebenamtliche Leitung des Archivs mit der Bestellung des pensionierten Münsteraner Universitätsdirektors Dr. Christoph Weber (1883-1958, Stadtarchivar 1952-1958) sowie des Musikwissenschaftlers und Historikers Dr. Robert Pessenlehner (1899-1985, Stadtarchivar 1958-1976) bis in die siebziger Jahre. Mit Pessenlehners Nachfolgerin Dr. Rita Wehner (Stadtarchivarin 1976-1998) wurde nach mehr als siebzig Jahren erstmals wieder eine hauptamtliche Kraft mit der Leitung des Archivs betraut. Seit 1998 leitet Dr. Thomas Heiler das Stadtarchiv. Der im Jahre 1979 erfolgte Umzug des Stadtarchivs aus den beengten Räumen im Stadtschloss in das neue Domizil im Palais Buttlar am Bonifatiusplatz war aus archivgeschichtlicher Sicht von herausragender Bedeutung. Seit mehr als 35 Jahren verfügt das Stadtarchiv über adäquate Räumlichkeiten in einem historischen Ambiente. Im Jahre 2012 kam noch ein neues Außenmagazin im Südflügel des Stadtschlosses hinzu.

Nutzung des Stadtarchivs

Jeder, der ein konkretes Forschungsanliegen hat, kann die Leistungen des Stadtarchivs Fulda in Anspruch nehmen. Die Benutzung kann schriftlich (auch über E-Mail) oder aber persönlich erfolgen. In letzterem Fall empfiehlt sich eine kurzfristige vorherige Anmeldung, damit bereits im Vorfeld abgeklärt werden kann, ob zu dem Forschungsanliegen Unterlagen zur Verfügung stehen.

Die Benutzung für wissenschaftliche, heimatkundliche und schulische Zwecke ist frei. Für rechtliche, wirtschaftliche und familiengeschichtliche Recherchen werden Gebühren nach der Verwaltungskostensatzung der Stadt Fulda vom 15. Mai 2001 erhoben. Im Übrigen richtet sich die Benutzung des Stadtarchivs Fulda nach der Benutzungsordnung vom 15. Dezember 2000.


Serviceleistungen des Archivs

Das Stadtarchiv Fulda hat es sich zum Ziel gesetzt, den Bürgern die oftmals noch vorhandene "Schwellenangst" vor dem Betreten eines Archivs zu nehmen. Deshalb sind wir bestrebt, die Benutzung unserer Einrichtung so unkompliziert wie möglich zu gestalten. Sie müssen deshalb bei der persönlichen Benutzung weder umständliche Anmeldeprozeduren noch lange Wartezeiten bei der Vorlage von Archivalien in Kauf nehmen.

Allerdings muss auch darauf hingwiesen werden, dass ein Archiv keine Stadtbibliothek ist. Es können daher weder Bücher ausgeliehen werden noch besteht ein Anspruch auf die Vorlage sämtlicher im Archiv verwahrter Unterlagen. Nutzungsbeschränkungen gelten insbesondere für Dokumente, die dem Datenschutz unterliegen bzw. die wegen ihres Erhaltungszustandes nicht mehr im Original vorgelegt werden können. In letzterem Fall stehen in der Regel Mikrofilmaufnahmen als Ersatz zur Verfügung.

Folgende Leistungen des Archivs können Sie in Anspruch nehmen:

  • Beratung zu Ihrem gewählten Thema
  • Vorlage von Literatur und Archivalien
  • Zugriff auf die Bild- und Pressedatenbank bei persönlicher Benutzung
  • freie Benutzung des Reader-Printers zur Rückvergrößerung und Ausdruck von Mikrofilmen und Mikrofiches
  • kostenlose Führungen durch das Archiv für Gruppen nach Voranmeldung
  • Kurse zur Einführung in die Archivarbeit für Familienforscher und Ortschronisten im Rahmen des Veranstaltungsprogramms der städtischen Volkshochschule.