Objekt des Monats – Neu im Vonderau Museum

Das Vonderau Museum Fulda präsentiert ab März 2021 sein „Objekt des Monats“ im Schaufenster des Museumseingangs am Jesuitenplatz 2.

Mit dieser Reihe soll ein Einblick in die gesamte Bandbreite der Sammlungen zu Kultur, Natur und Kunst des Vonderau Museums und der Historischen Räume im Stadtschloss gezeigt werden. Die monatlich wechselnden Objekte werden mit kurzen Texten der Mitarbeiter:innen aus den einzelnen Abteilungen vorgestellt.

Objekt des Monats - Januar 2022

Wolf (Canis lupus)
Präparat, Vonderau Museum Fulda

Wölfe in Hessen

Vor über 150 Jahren wurde der Wolf in Deutschland ausgerottet. Inzwischen sind über 30 Rudel in Deutschland wieder heimisch geworden. In Hessen gelang 2008 einem Jäger im nördlichen Reinhardswald eine Zufallsaufnahme eines Wolfs, der drei Jahre später tot gefunden wurde und vermutlich auf natürliche Weise starb. Zwischen 2015 und 2019 wurden fünf durchziehende Wölfe auf Hessens Autobahnen überfahren. Seit Juli 2019 sind eine Wölfin bei Ulrichstein im Vogelsberg und eine Wölfin in der Umgebung des "Stölzinger Gebirges" sesshaft geworden. Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg gibt es ein Wolfspaar, das vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) anhand eines Videos nachgewiesen werden konnte. Dieses Wolfspaar ist auch schon in Bebra fotografiert worden.

Angst und Vorurteile – Toleranz und Verständnis

Vielfach begegnen die Menschen dem Wolf mit Angst und Vorurteilen. Die Rückkehr des Wolfes kann zu Konflikten mit Nutztieren führen, aber mit einer guten Vorsorge können Nutztierherden vor dem Wolf geschützt werden. Bewährt haben sich der Einsatz von Herdenschutzhunden und Elektrozäunen. Die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Wolf im NABU Hessen wirbt durch Aufklärung für mehr Toleranz und Verständnis für den Wolf. Sie ist Ansprechpartner für Nutztierhalter, Jäger und alle, die Fragen haben zur Rückkehr des zur Zeit größten in Deutschland lebenden Beutegreifers.

Der Wolf als Gesundheitspolizei

Der Wolf gilt als die Gesundheitspolizei in der hiesigen Tierwelt. Er jagt vornehmlich kranke und schwache Tiere. Dies sorgt für eine Stärkung der Beutetier-Population, was wiederum deren Bestand sichert. Auch der Wald profitiert von der Rückkehr des Wolfes, denn er regelt den Wildbestand und dadurch wird der Wildverbiss reduziert. Wolf und Jäger können gemeinsam für Wilddichten sorgen, die für die Forstwirtschaft verträglich sind. Der Wolf ist eine europaweit streng geschützte Tierart. Die Bejagung ist gesetzlich verboten. Illegale Abschüsse werden mit hohen Geld- und gegebenenfalls auch Haftstrafen geahndet.

Weitere Informationen über Wölfe in Hessen auf der Homepage NABU (Naturschutzbund Deutschland e. V.)

Vom 06. März bis 29. Mai 2022 zeigt die Kunststation Kleinsassen in Kooperation mit Gisela Krohn die Sonderausstellung Wald.Wolf.Wildnis.
Zu sehen sind unterschiedliche künstlerische Arbeiten verschiedener Künstler, die sich mit den Themen „Wald“ und „Wildtieren“ auseinandersetzen.

Archiv

Objekt des Monats - Dezember 2021

Mopsfigur nach einem Modell der Fuldaer Fayencemanufaktur

1. Hälfte 19. Jahrhundert, Ton
Johann Dionys Reuß zugeschrieben
Inv. Nr.: IV Da 2021/1

Schlank und langschnäutzig und doch: ein Mops. Vor seiner Überzüchtung agiler Jagdhund, begleitete der edle Mops auch Fürstbischof Heinrich von Bibra bei diesem beliebten höfischen Zeitvertreib. So belegt es ein im Londoner Victoria & Albert Museum befindliches Gemälde des Fuldaer Hofmalers Johann Andreas Herrlein. Im 18. Jahrhundert erfreute sich die aus Asien stammende und dort ursprünglich als Kaiserhund geltende Rasse großer Beliebtheit beim europäischen Adel und wie so viele zunächst höfische Moden bald auch beim Bürgertum. So findet sich der Mops auch in Fulda nicht nur im Deckengemälde des Dalbergsaals in den Historischen Räumen des Stadtschlosses, sondern auch als Wappentier des einst hier bestehenden Mopsordens. Diese Bünde nahmen, anders als die Freimaurer, die sich ebenfalls gern mit Mops präsentierten, auch Frauen auf und erfreuten sich des Domino- und Kartenspiels. In Fulda hatte dieser Bestand bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Grund genug für Gästeführerin Marita Glaser, diesem Thema im 2021 erschienenen Buch „Fulda. Stadt und Land – unbekannt, interessant, amüsant“ ein eigenes Kapitel zu widmen – und dazu im Vonderau Museum auf die Suche zu gehen. Eine aus Gips gefertigte größere Mopsfigur aus der Hand des Töpfermeisters Johann Dionys Reuß, begleitet von einem Zettel mit der Aufschrift „Ich bin das Wappentier des Fuldaer Mops-Vereins“, fand sich sogleich im Depot und schaffte es so ins Buch. Sein nun hier ausgestellter kleiner Bruder scheint dessen Erscheinen abgewartet zu haben: Er fand sich zufällig in einer Kammer des Stadtschlosses wieder und stellte sich als von Ernst Kramer 1973 in einem Beitrag der Volkszeitung beschrieben heraus. Es handelt sich dabei um eine Ausformung in Ton aus einer Form, die Reuß nach Modellen der einstigen, von 1741-1760 bestehenden, fürstbischöflichen Fayencemanufaktur hergestellt hatte, die im Original leider nicht mehr erhalten sind.

Möchten Sie mehr über den Mops in Fulda und viele weitere spannende Themen erfahren, erhalten Sie das Buch „Fulda. Stadt und Land – unbekannt, interessant, amüsant“ zum Preis von 22,95 Euro im Museumsshop.


Objekt des Monats - November 2021

Oswald Pejas: Landschaft
Öl auf Hartfaser, Inv. Nr.: II C 547

Der am 19.11.1921 in Gungelshausen (Schwalm-Eder-Kreis) geborene Künstler Oswald Pejas kam bereits in seiner frühen Kindheit nach Fulda. Seine Faszination zum Malen entdeckte er zunächst durch sein familiäres Umfeld, entwickelte aber schon damals einen eigenen Stil.

Nach seiner Schulzeit folgte der Wehrdienst. Während der Jagdfliegerausbildung entstanden Zeichnungen von seinen unterschiedlichen Aufenthaltsorten. In dieser Zeit machte er Bekanntschaft mit dem ebenfalls 1921 geborenen Joseph Beuys (auch Jagdflieger). Nach Kriegsende begann Pejas ein Studium an der Universität Frankfurt als Kunsterzieher. Schon damals finanzierte er sein Studium und seine Familie über seine Malerei (unter anderem auch: Restaurierungen der Deckengemälde im Apollo-Saal der Orangerie Fulda und der Fuldaer Stadtpfarrkirche).

1948 trat Pejas dem Fuldaer Künstlerbund bei. Zusammen mit seinem Künstlerfreund Karlfried Staubach organisierte er mehrere Ausstellungen in Fulda. Mit ihnen begannen die Anfänge der „JUKU Fulda“.

Oswald Pejas war fast 30 Jahre lang als Lehrer tätig, zunächst an der Freiherr-vom-Stein-Schule Fulda, später als Fachleiter für Kunst am Studienseminar Fulda. Außerdem folgte er einem fünfjährigen Lehrauftrag an der Deutschen Schule in Athen. Diese Zeit war ein großer Schritt in seiner künstlerischen Entwicklung. Neben mehreren Ausstellungen in Athen folgte nach seiner Rückkehr eine große Griechenland-Ausstellung im Stadtschloss Fulda. Nach seiner Pensionierung 1986 lebte er als freischaffender Künstler weiter in Fulda, bis er
schließlich am 14.4.2006 in Dietershan verstarb.

Der Künstler entwickelte schon früh einen eigenen, unverkennbaren Malstil. Dabei hatte er sich nie an den aktuellen Kunstströmungen orientiert. Er verband den Begriff „Kunst“ immer mit „Können“. Aus dieser Einstellung heraus „testete“ er vereinzelt sein „Können“ durch Arbeiten in unterschiedlichen Kunstrichtungen — von alter holländischer Malerei bis hin zu surrealistischen Motiven. Im Pejas-eigenen Gesamtwerk stechen jedoch zwei Stilrichtungen besonders hervor.

Einerseits malte er weiche, weite Landschaften, die nur durch einzelne Objekte im Vordergrund gegliedert sind, andererseits versuchte er auch diese Weite bewusst expressiv zu gestalten.

Am 19.11.2021 wäre Oswald Pejas 100 Jahre alt geworden.
Aus diesem Anlass wollen das Vonderau Museum und die Stadt Fulda den Künstler mit einer Ausstellung ehren, die in bisher nie gezeigter Breite das künstlerische Schaffen von frühester Jugend bis hin zu dem letzten, nicht vollendeten großformatigen Gemälde zeigt.
Corona-bedingt muss die Eröffnung der Ausstellung in das Jahr 2022 verschoben werden.


Objekt des Monats - Oktober 2021

Überseekoffer/Reisetruhe mit New Yorker Adresse jüdischer Emigranten
um 1910, Rohr, Flachs, Leder, vermessingtes Eisen, Kupfer, innen: Leinen; Hersteller: Mädler

Inv. Nr.: VM 2020/65  gespendet von Dr. Michael Imhof

Am 11. Dezember 321 erließ der römische Kaiser Konstantin auf Anfrage aus Köln ein Edikt (Gesetz). Es legte fest, dass Juden städtische Ämter in den Kurien Kölns, also den römischen Stadträten, bekleiden dürfen und sollen. Damit gilt dieses Dekret als der älteste Beleg für die Existenz jüdischer Gemeinden auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands. Das Jubiläum „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ würdigen in diesem Jahr zahlreiche Veranstaltungen. Das Vonderau Museum beteiligt sich mit der Präsentation eines kürzlich erworbenen Koffers, gespendet von Dr. Michael Imhof, der vom dunkelsten Kapitel jüdischen Lebens in Deutschland, der Shoah, zeugt, aber auch von erfolgreichem Unternehmertum und ehrenamtlichem Engagement.

Bei dem geräumigen Koffer handelt es sich um ein verbreitetes Modell eines Überseekoffers oder einer Reisetruhe in Jugendstil-Design, vom Hersteller, der Leipziger Koffermanufaktur Moritz Mädler, selbst als „Welt-Bahnkoffer“ aus Rohrflachsplatte beworben und in verschiedenen Größen erhältlich.

Die Welt bereist hat der 2020 auf einem Flohmarkt in Tann/Rhön aufgetauchte Koffer zweifelsohne, laut Aufkleber aufgegeben in Hamburg war er adressiert an Dr. R. F. Goldschmidt c/o Fromm u. Sichel, 218 West 57th Street in New York.

Während über Herrn Goldschmidt selbst leider nichts Gesichertes bekannt ist, finden sich in Form von Nachrufen Informationen über Fromm & Sichel in den Archiven der New York Times. Vermutet wird lediglich ein verwandtschaftliches Verhältnis zwischen Goldschmidt und Fromm. Alfred Fromm (1905-1998) stammte aus dem bayrischen Kitzingen und war Sohn einer Winzerfamilie aus Bingen am Rhein in vierter Generation. 1936 floh er vor den Nationalsozialisten und ermöglichte 37 Familienmitgliedern ebenfalls die Emigration in die USA, vermutlich war Herr Goldschmidt ein angeheirateter Verwandter. Dort gründete er Fromm & Sichel Inc. Gemeinsam mit Franz Sichel. Auch Sichel entstammte einer alten deutschen Winzer- und Weinhändlerfamilie in fünfter Generation, europaweit tätig mit Sitz in Mainz unter dem Namen Sichel & Co. Beide stiegen mit Fromm & Sichel unter die führenden Weinhändler der USA und Experten für kalifornische Weine auf. Überzeugt von deren hoher Qualität übernahmen sie in den 1950ern selbst Weinberge in Saragota. Darüber hinaus gründete Fromm nicht weniger als zwei Museen, das Weinmuseum in San Francisco sowie das Museum der dortigen jüdischen Gemeinde, und bekleidete zahlreiche Ehrenämter. Seine gründerischen Tätigkeiten setzte er gemeinsam mit seiner Frau Hanna mit einem nach ihm benannten Institut für lebenslanges Lernen fort und richtete ein Schwesterprogramm, das Fromm Institute, an der Hebräischen Universität in Jerusalem ein.

So unverhofft wie dieser geschichtsträchtige Koffer in Tann/Rhön auftauchte, finden sich vielleicht auch bei Ihnen noch Stücke mit jüdischem Bezug. Sollten Sie ein solches bei sich oder anderswo entdecken, melden Sie sich gerne beim Vonderau Museum unter Tel. 0661 102 3220 oder per E-Mail an judith.mader@fulda.de.

Weitere Informationen zum Jubiläum „1700 Jahre jüdischen Leben in Deutschland“ finden Sie im Internet unter 2021jlid.de


Objekt des Monats - September 2021

Pulttisch und zwei Sessel aus dem alten Plenarsaal des Hessischen Landtags (1962-2004)

Inv. Nr.: VM 2021/19.1-3   Schenkung Edelgard Herr

Aus dem Nachlass des im Januar 2021 verstorbenen Dr. Norbert Herr sind ein Pulttisch sowie zwei Sessel aus dem von 1962-2004 bestehenden Plenarsaal des Hessischen Landtags in Wiesbaden erhalten. Nachdem das Wiesbadener Stadtschloss 1946 dessen Sitz geworden war, diente zunächst der Musiksaal als Plenarsaal des Parlaments, wurde jedoch bald zu klein. Anstelle der herzoglichen Reithalle wurde in den Jahren 1960-62 ein neues Plenargebäude errichtet. Dem damaligen Zeitgeist entsprechend stand die Funktionalität und weniger die Ästhetik des Gebäudes im Vordergrund. Diesem Anspruch war auch das eher schlichte Mobiliar verpflichtet.

Nachdem er zuvor Jahrzehnte Mitglied des Fuldaer Kreistages und kurzzeitig auch Mitglied des Bundestages gewesen war, verbrachte an einem solchen Tisch der Fuldaer Unionspolitiker Dr. Norbert Herr seit dem 5.4.1995 viele Jahre seiner Zeit als Mitglied des Hessischen Landtags. Diesem gehörte er bis 2013, davon neun Jahre als stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion, an und gestaltete so über mehrere Amtsperioden hinweg – stets als Stimme und Sprachrohr Fuldas – maßgeblich die Politik des Landes Hessen und somit der gesamtdeutschen Demokratie mit.

Herr, geb. 1944, absolvierte sein Abitur am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Fulda, studierte anschließend Geschichte, Politik und Geografie in Frankfurt am Main, promovierte
und war später als Oberstudienrat tätig. Seine politische Karriere begann im Jahr 1971 mit dem Eintritt in die Junge Union.

Am 16.12.2004 saß Herr letztmalig an seinem Platz im Saal des alten Plenargebäudes. Als technisch veraltet und nicht mehr zeitgemäß wurde es Ende 2004/Anfang 2005 abgerissen und das jetzige Plenargebäude mit dem neuen, 2008 eingeweihten Plenarsaal erbaut.


Objekt des Monats - August 2021

Upcycling als Notbehelf – Vom Mehlsack zur Tagesdecke

Decke aus Mehlsäcken und Garn der Firma Mehler
1940er Jahre

Mit dem Begriff Upcycling wird heute die Wiederverwertung von alten Möbelstücken oder scheinbar nutzlosen Gegenständen bezeichnet. Dies dient der materiellen Aufwertung und nachhaltigen Nutzung von bereits vorhandenen Ressourcen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges werden die Menschen wegen der Kriegszerstörungen und Not erfinderisch. Sie müssen improvisieren und fertigen Gebrauchsgegenstände aus vorhandenen Materialien, sogenannte Notbehelfe.

Die Aufnahme (siehe Foto) zeigt Johanna Kaesler-Jestädt aus der Gemeinde Künzell (links) 1948 mit ihren beiden Geschwistern, die Kleider aus Fallschirmseide tragen. Den Stoff aus der Fuldaer Textilfabrik Mehler hat ihre Mutter, eine gelernte Schneiderin, nach Kriegsende im Tauschhandel erworben und umgenäht. Die Familie besitzt eine Bäckerei im Harbacher Weg in Künzell.

Im Haus der Familie lebt auch Tante Luise, die während des Zweiten Weltkrieges bei der Firma Mehler dienstverpflichtet ist. In dieser Zeit näht sie aus alten Mehlsäcken der Bäckerei und Garn der Firma Mehler eine Decke, die sie mit Zwiebelschalen einfärbt. Bis zur Rückkehr ihres Mannes aus russischer Kriegsgefangenschaft Ende der 1940er Jahre wird die Decke als Überwurf auf dem Chaiselongue der Familie verwendet.

Die Objekte sind ein Neuzugang für die kultur- und stadtgeschichtliche Sammlung des Vonderau Museums und wurden im Juli 2020 als Schenkung im Rahmen des Dokumentationsprojekts „Fulda erzählt“ übergeben. Dabei berichten Fuldaerinnen und Fuldaer von ihren persönlichen Erinnerungen an historische Ereignisse und Themen der Stadt und Region vom Zweiten Weltkrieg bis heute.

Auch die Industrie stellt in der Nachkriegszeit nützliche Güter des täglichen Bedarfs her. Die Fuldaer Emaillierwerke produzieren aus Kriegsprodukten wie Wehrmachtshelmen oder Gasmaskendosen Küchengeräte und Haushaltswaren etwa Kannen oder Küchensiebe für die zivile Nutzung. Letztere sind gerade in der Jubiläumsausstellung „Als die Demokratie zurückkam – 75 Jahre Verfassung in Hessen und Fulda“ noch bis 24. Oktober 2021 im Vonderau Museum zu sehen.


Objekt des Monats - Juli 2021

Schmuck in der mittleren Bronzezeit

Doppelradnadel
Fundort: Fulda – Haimbach, Haimberg
Inv. Nr. I.B.b.30

Brillennadel
Fundort: Neuhof – Giesel, Flur „Buchwald“
Inv. Nr. I.D.l.8

Armspirale
Fundort: ?
Inv. Nr. I.D.n.II.1a

Fingerring
Fundort: Neuhof – Giesel, Flur „Buchwald“
Inv. Nr. I.D.l.6

Geripptes Armband
Fundort: Neuhof – Giesel, Flur „Buchwald“
Inv. Nr. I.D.l.4

Bei den hier ausgestellten Schmuckstücken handelt es sich um Einzelfunde aus dem Landkreis Fulda, die alle in die sogenannte Mittlere Bronzezeit, oder auch Hügelgräberbronzezeit, datieren, welche in Mitteleuropa ca. 1.600-1.200 v. Chr. einzuordnen ist. Gefunden wurden sie entweder bei Steinbrucharbeiten (Doppelradnadel, I.B.b.30) oder beim Wegebau (Brillennadel, I.D.l.8; Fingerring, I.D.l.6; Geripptes Armband, I.D.l.4). Der Fundort und die Fundumstände der Armspirale (I.D.n.II.1a) sind unklar. Alle hier gezeigten Bronzefunde wurden zwischen 1920 und 1930 dem Museum übergeben.

Bronze ist eine Legierung aus Kupfer und Zinn. Dieser neue Werkstoff war eine sehr begehrte Ressource, die verarbeitet, goldglänzend poliert und öffentlich zur Schau gestellt, Symbol für Reichtum und damit Einfluss war. Bronzeschmuck war, neben Waffenausrüstungen bei Männern, die häufigste Grabbeigabe. Die Funde sind sogar so vielfältig, dass Archäologen in der Lage sind, regionale Varianten der Tragweisen festzustellen. Ein Beispiel dafür sind die beiden ausgestellten Nadeln:

Die große Doppelradnadel mit dem mit kleinen Strichen verzierten Kopfteil gehört zum sogenannten Typ „Unterbimbach“, während die in zwei Teile gebrochene Brillennadel hingegen den in der Mittleren Bronzezeit im Gebiet „Großenlüder“ verbreiteten Gewandnadeln gleicht. Wie es ihr Name schon verrät, war die Funktion einer solchen Nadel, die Kleidung ihres Trägers meist in der Schulterpartie zusammenzuhalten. Es war somit notwendig, sie entsprechend groß zu entwerfen, was wiederum geeignet für auffällige und aufwendige Verzierungen war.

Auch Bronzeringe waren in den unterschiedlichsten Arten und Größen verbreitet, wobei Frauen oft gleich mehrere an Hals, Fingern, Fußknöcheln, Ober- und Unterarmen trugen. In den Gräbern männlicher Verstorbener findet man hingegen eher wenige, signifikante Ringe. Das hier vorliegende breite, gerippte Armband lässt sich dem Typ „Unterbimbach“ zuordnen und wurde aufgrund seiner Form vermutlich an einem Handgelenk getragen. Keinem speziellen Typ zuordenbar sind die Armspirale und der kleine Fingerring: Die Armspirale findet man in gleicher schlichter Form in vielen Gräbern der Mittelbronzezeit und ist damit keine regionalspezifische Art. Der Fingerring hingegen ist, vermutlich auch durch seine Größe, ein selteneres Objekt.


Objekt des Monats - Juni 2021

Das Rotkehlchen - Vogel des Jahres 2021

Das Rotkehlchen hat im Wahlkampf des NABU (Naturschutzbund Deutschland) mit dem Slogan „Mehr Gartenvielfalt“ für sich und vogelfreundliche Gärten geworben. Als einer unserer häufigsten Singvögel ist das Rotkehlchen als beliebter Sympathieträger zum Vogel des Jahres 2021 gewählt worden.

Aussehen
Das Rotkehlchen (Erithacus rubecula), das zur Familie der Drosselvögel (Turdidae) gehört, ist an seiner orangefarbenen Brust leicht zu erkennen. Der Bauch ist hell, Schwanz, Hinterkopf und Rücken sind braun gefärbt. Männchen und Weibchen sind nicht zu unterscheiden, nur das Alter: Jungen Rotkehlchen fehlt die orange Färbung, ihre Brust ist braun geschuppt.

Lebensraum
Der zarte und doch stimmgewaltige Sympathieträger kann ganzjährig in Wäldern, Heckenlandschaften, Parks und Gärten beobachtet werden.

Verhalten
Wenn man im Garten Beete umgräbt, kommt das Rotkehlchen oft erstaunlich nah, um in der aufgewühlten Erde nach Fressbarem zu suchen. Außerhalb von Gärten folgt es auch größeren Säugern wie Wildschweinen, um auch hier Nahrung aus der aufgeworfenen Erde zu picken.

Nahrung
Rotkehlchen ernähren sich von Insekten und deren Larven, insbesondere Käfer, Zweiflügler, Schmetterlingsraupen, Ameisen, Blattläuse und Spinnen, die sie hüpfend am Boden jagen. Im Spätsommer und Herbst fressen sie auch Beeren und Früchte von Schneeball, Pfaffenhütchen, Hartriegel, Faulbaum, Efeu und anderen Sträuchern.

Fortpflanzung
Die Brutzeit in Bodennestern oder niedrig hängenden Halbhöhlen-Nistkästen beginnt Anfang April. Das Gelege umfasst drei bis sieben gelbliche Eier mit rotbraunen Punkten und Linien. Nach 12 bis 15 Tagen schlüpfen die Jungvögel. Sie verlassen das Nest nach 13 bis 15 Tagen.

Bestand
In Deutschland leben 3,4 bis 4,3 Millionen Brutpaare. Ihr Bestand ist derzeit nicht gefährdet. Rotkehlchen sind in Deutschland Standvogel und auch Teilzieher. Einige Vögel bleiben das gesamte Jahr über in unseren Breiten, andere ziehen kurze Strecken in wärmere Gegenden.


Objekt des Monats - Mai 2021

Reitersporen

Reitersporn (Stachelsporn) (Foto links)
11.–12. Jahrhundert
Eisen
Gewicht: 35 g
Finder: Stefan Bertram
Inv. Nr. I 2020/20

Reitersporn (Radsporn [?]) (Foto rechts)
13.–15. Jahrhundert
Bronze mit Eisennieten
Gewicht: 23 g
Finder: Raphael Kückmann
Inv. Nr. I 2020/8


Bei diesen Funden handelt es sich um Lesefunde aus dem Jahr 2020 aus der Rhön. In der modernen Reiterei wird das Pferd hauptsächlich über eine Verlagerung des Gewichts, Schenkeldruck und Zügelführung gelenkt. In früheren Zeiten dagegen wurden bereits dafür die Sporen eingesetzt und zusätzlich auch scharfe Gebisse. Außerdem wurden die Sporen natürlich benötigt, um das Tier anzutreiben, beispielsweise bei einem Angriff im Kampf oder bei einem Turnier. Aus den Stachelsporen entwickelten sich schließlich die Radsporen, die im Laufe des 14. Jahrhunderts als gängige Sporenform verwendet wurden. In der Regel wurden Sporen aus Eisen gefertigt, bronzene Sporen sind deutlich seltener.

Inv. Nr. I 2020/20
Dieser Eisensporn gehört zu den sogenannten Stachelsporen, weist eine doppelpyramidale Dornspitze mit einer kurzen Dornstange auf und lässt sich aufgrund dieser Merkmale relativ genau datieren. Sporen dieses Typs haben einen zeitlichen Schwerpunkt im 11. und 12. Jahrhundert, kommen aber vom 10. Jahrhundert bis ins 13. Jahrhundert vor. Die beiden Bügelenden, die für eine feinere chronologische Einordnung hilfreich sein könnten, sind leider nicht erhalten. An den Bügelenden konnte der Sporn mit Bändern am Fuß befestigt werden.

Inv. Nr. I 2020/8
Bei diesem Bronzesporn ist lediglich eines der Bügelenden mit dem entsprechenden Bügel erhalten. Aufgrund von Vergleichsfunden ist davon auszugehen, dass es sich ursprünglich um einen sogenannten Radsporn gehandelt haben könnte. Da aber dieses Rad nicht erhalten ist, kann der Fund nur grob zeitlich eingeordnet werden. Mit den beiden floral gestalteten Anhängern, einer sogenannten Riemenschnalle und einer Riemenzwinge, wurde der Sporn mit Bändern am Fußrücken und der Fußsohle befestigt. Die Verwendung von Bronze sowie die filigrane Form und die aufwendige Verzierung weisen sicherlich auf einen gesellschaftlich hoch gestellten Reiter hin.


Objekt des Monats - April 2021

Drehleierspieler aus der „Fuldaer Hofkapelle“

Fuldaer Porzellan, weiß glasiert, gold gehöht, bemalt,
nach 1780, Heinrichsmarke
Modell und Ausformung von Georg Ludwig Bartholomé
Inv. Nr.: VM 2020/55


Die 2020 angekaufte Fuldaer Porzellanfigur des Drehleierspielers wird ab Mai die in den Historischen Räumen im Stadtschloss ausgestellte Hofkapelle um einen weiteren, bisher unbekannten Musiker ergänzen. Die Serie der Musikanten zählt mit zu den letzten Figuren der Hochfürstlich Fuldischen Porzellainmanufaktur, die 1764 vom fortschrittlichen Fürstbischof Heinrich VIII. von Bibra gegründet wurde und bis zu ihrer Schließung im Jahr 1789 Porzellan von hoher Qualität fertigte.

Nach dem Tod des Modelleurs Johann Georg Schumann 1780 übernahm der bereits seit zehn Jahren als Bossierer* in der Manufaktur beschäftigte Georg Ludwig Bartholomé auch dessen Tätigkeit und schuf nach dem Vorbild von Figuren der Frankenthaler Manufaktur die Serie Cris de Paris („Marktschreier“) mit Winzer-, Händler- und Bauernpaar (ebenfalls in den Historischen Räumen zu sehen). Die Formen des Winzers und Händlers wurden weiterverwendet, um alle Musiker der Fuldaer Hofkapelle aus dem Grundmodell eines Musikanten mit breitkrempigem Hut auf einem Rocaillesockel zu gestalten.

Wie der Händler steht der Drehleierspieler direkt vor einem Baumstumpf und trägt ein nach vorn geknotetes Halstuch und dessen kurzärmelige Jacke, die hier allerdings geöffnet ist und den Blick auf eine über dem Bauch aufgeknöpfte Weste freigibt. Mit der rechten Hand bedient er die Kurbel der Drehleier, eines seit dem Mittelalter bekannten mechanisierten Streichinstruments, bei dem die Saiten von einem eingebauten Rad angestrichen werden. Mit der anderen Hand betätigt er die Tasten, um die Tonhöhe zu variieren.

Während aufgrund der Corona-Pandemie der Besuch der Historischen Räume derzeit leider nicht möglich ist, bietet Ihnen der neue virtuelle Rundgang einen Blick auf die dort ausgestellten Porzellane. Bereichert wird die Porzellanpräsentation, die auch die umfangreiche Sammlung Prof. Nieth umfasst, durch die 2019 als Dauerleihgabe an die Stadt Fulda gelangte und nun in einer eigenen Vitrine ausgestellte Sammlung Prof. Hertel, bestehend aus zwei Schokoladentassen und 17 Figuren, darunter die berühmtesten Figurengruppen der Fuldaer Manufaktur.

* Der Bossierer fügte Figuren oder Rohporzellangegenstände aus vorgeformten oder frei von ihm zu formenden Einzelteilen zusammen.


Objekt des Monats - März 2021

Buttermaschine/Butterschleuder

vor 1939, Holz und Eisen
Inv. Nr.: VI A 2020/38


Die Herstellung von Butter hat lange Tradition, wobei es über die Jahrtausende verschiedene Herstellungsprozesse gab, die sich stets ähnelten: Rohmilch wurde in Magermilch und Rahm getrennt, woraufhin der Rahm in ein Butterfass bzw. eine Buttermaschine gegeben wurde. Anschließend wurden die hölzernen Rührflügel in die Maschine eingehängt, die gedreht werden konnten. Je nach Butterschleuder musste der Rahm über einen längeren Zeitraum geschlagen werden, bevor die sich abgetrennte Buttermilch abgegossen wurde. Bis diese restlos aus der Butter entfernt war, musste das Endprodukt noch mehrmals gewaschen und dann die Flüssigkeit ausgeschlagen werden, damit sie nicht ranzig wurde. Die fertige Butter wurde schließlich mit hölzernen Modeln geformt.

Die gezeigte Buttermaschine wurde laut dem Etikett auf dem Deckel von der Firma Julius Karpf vertrieben. Hierbei handelte es sich um ein Fuldaer Geschäft, welches sich vor allem auf den Verkauf von Landmaschinen, aber auch Haushaltsgeräten und ähnlichem spezialisiert hatte.

Als die Nationalsozialisten die Macht übernahmen, betrieb der 1904 geborene Julius Karpf die Firma, die bereits von seinem Großvater gegründet worden war. Das Logo in Form eines Karpfens innerhalb eines Davidsterns könnte von seinem Vater Joseph gewählt worden sein, der hiermit seinen Namen mit dem Geburtsnamen seiner Frau Karolina „Lina“ Stern und ihrer gemeinsamen jüdischen Identität verband.

Die Familie, die sich ab 1933 mit einer Brandmarkung als „Wucherer“ und „Rassenschänder“ konfrontiert sah, entschied sich bereits relativ früh für eine Auswanderung in die Niederlande. Schon ab diesem Jahr ließen sich die Karpfs nach und nach im niederländischen Zwolle nieder. Als die Niederlande unter deutsche Herrschaft fielen, wurde die Familie Karpf wie die anderen 800 Juden in der Provinz Nordbrabant im April 1943 aufgefordert, sich in das Lager Vught zu begeben. Nachdem sie von dort aus in das polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork verschleppt worden waren, sendete man sie in das Vernichtungslager Sobibor, wo die gesamte Familie im Mai 1943 ermordet wurde.