Objekt des Monats – Neu im Vonderau Museum

Das Vonderau Museum Fulda präsentiert ab März 2021 sein „Objekt des Monats“ im Schaufenster des Museumseingangs am Jesuitenplatz 2.

Mit dieser Reihe soll ein Einblick in die gesamte Bandbreite der Sammlungen zu Kultur, Natur und Kunst des Vonderau Museums und der Historischen Räume im Stadtschloss gezeigt werden. Die monatlich wechselnden Objekte werden mit kurzen Texten der Mitarbeiter:innen aus den einzelnen Abteilungen vorgestellt.

Objekt des Monats - April 2021

Drehleierspieler aus der „Fuldaer Hofkapelle“

Fuldaer Porzellan, weiß glasiert, gold gehöht, bemalt,
nach 1780, Heinrichsmarke
Modell und Ausformung von Georg Ludwig Bartholomé
Inv. Nr.: VM 2020/55


Die 2020 angekaufte Fuldaer Porzellanfigur des Drehleierspielers wird ab Mai die in den Historischen Räumen im Stadtschloss ausgestellte Hofkapelle um einen weiteren, bisher unbekannten Musiker ergänzen. Die Serie der Musikanten zählt mit zu den letzten Figuren der Hochfürstlich Fuldischen Porzellainmanufaktur, die 1764 vom fortschrittlichen Fürstbischof Heinrich VIII. von Bibra gegründet wurde und bis zu ihrer Schließung im Jahr 1789 Porzellan von hoher Qualität fertigte.

Nach dem Tod des Modelleurs Johann Georg Schumann 1780 übernahm der bereits seit zehn Jahren als Bossierer* in der Manufaktur beschäftigte Georg Ludwig Bartholomé auch dessen Tätigkeit und schuf nach dem Vorbild von Figuren der Frankenthaler Manufaktur die Serie Cris de Paris („Marktschreier“) mit Winzer-, Händler- und Bauernpaar (ebenfalls in den Historischen Räumen zu sehen). Die Formen des Winzers und Händlers wurden weiterverwendet, um alle Musiker der Fuldaer Hofkapelle aus dem Grundmodell eines Musikanten mit breitkrempigem Hut auf einem Rocaillesockel zu gestalten.

Wie der Händler steht der Drehleierspieler direkt vor einem Baumstumpf und trägt ein nach vorn geknotetes Halstuch und dessen kurzärmelige Jacke, die hier allerdings geöffnet ist und den Blick auf eine über dem Bauch aufgeknöpfte Weste freigibt. Mit der rechten Hand bedient er die Kurbel der Drehleier, eines seit dem Mittelalter bekannten mechanisierten Streichinstruments, bei dem die Saiten von einem eingebauten Rad angestrichen werden. Mit der anderen Hand betätigt er die Tasten, um die Tonhöhe zu variieren.

Während aufgrund der Corona-Pandemie der Besuch der Historischen Räume derzeit leider nicht möglich ist, bietet Ihnen der neue virtuelle Rundgang einen Blick auf die dort ausgestellten Porzellane. Bereichert wird die Porzellanpräsentation, die auch die umfangreiche Sammlung Prof. Nieth umfasst, durch die 2019 als Dauerleihgabe an die Stadt Fulda gelangte und nun in einer eigenen Vitrine ausgestellte Sammlung Prof. Hertel, bestehend aus zwei Schokoladentassen und 17 Figuren, darunter die berühmtesten Figurengruppen der Fuldaer Manufaktur.

* Der Bossierer fügte Figuren oder Rohporzellangegenstände aus vorgeformten oder frei von ihm zu formenden Einzelteilen zusammen.


Objekt des Monats - März 2021

Buttermaschine/Butterschleuder

vor 1939, Holz und Eisen
Inv. Nr.: VI A 2020/38


Die Herstellung von Butter hat lange Tradition, wobei es über die Jahrtausende verschiedene Herstellungsprozesse gab, die sich stets ähnelten: Rohmilch wurde in Magermilch und Rahm getrennt, woraufhin der Rahm in ein Butterfass bzw. eine Buttermaschine gegeben wurde. Anschließend wurden die hölzernen Rührflügel in die Maschine eingehängt, die gedreht werden konnten. Je nach Butterschleuder musste der Rahm über einen längeren Zeitraum geschlagen werden, bevor die sich abgetrennte Buttermilch abgegossen wurde. Bis diese restlos aus der Butter entfernt war, musste das Endprodukt noch mehrmals gewaschen und dann die Flüssigkeit ausgeschlagen werden, damit sie nicht ranzig wurde. Die fertige Butter wurde schließlich mit hölzernen Modeln geformt.

Die gezeigte Buttermaschine wurde laut dem Etikett auf dem Deckel von der Firma Julius Karpf vertrieben. Hierbei handelte es sich um ein Fuldaer Geschäft, welches sich vor allem auf den Verkauf von Landmaschinen, aber auch Haushaltsgeräten und ähnlichem spezialisiert hatte.

Als die Nationalsozialisten die Macht übernahmen, betrieb der 1904 geborene Julius Karpf die Firma, die bereits von seinem Großvater gegründet worden war. Das Logo in Form eines Karpfens innerhalb eines Davidsterns könnte von seinem Vater Joseph gewählt worden sein, der hiermit seinen Namen mit dem Geburtsnamen seiner Frau Karolina „Lina“ Stern und ihrer gemeinsamen jüdischen Identität verband.

Die Familie, die sich ab 1933 mit einer Brandmarkung als „Wucherer“ und „Rassenschänder“ konfrontiert sah, entschied sich bereits relativ früh für eine Auswanderung in die Niederlande. Schon ab diesem Jahr ließen sich die Karpfs nach und nach im niederländischen Zwolle nieder. Als die Niederlande unter deutsche Herrschaft fielen, wurde die Familie Karpf wie die anderen 800 Juden in der Provinz Nordbrabant im April 1943 aufgefordert, sich in das Lager Vught zu begeben. Nachdem sie von dort aus in das polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork verschleppt worden waren, sendete man sie in das Vernichtungslager Sobibor, wo die gesamte Familie im Mai 1943 ermordet wurde.