FULDA, 13. September 2026: Die deutsch-georgissche Schriftstellerin, Dramatikerin und Theaterregisseurin Nino Haratischwili hat den Winfriedpreis 2026 der Stadt Fulda erhalten. Die Auszeichnung ist eine Anerkennung ihres entschiedenen Eintretens für den europäischen Gedanken und für die Bewahrung der Freiheit angesichts des russischen Imperialismus.
Nino Haratischwili, 1983 in Tiflis geboren, gilt als eine der bedeutendsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Die vielfach ausgezeichnete Autorin, Theaterregisseurin und Dramatikerin erhielt u.a. den Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft, den Anna Seghers-Preis und den Bertolt-Brecht-Preis. Ihr internationaler Durchbruch gelang mit dem Epos "Das achte Leben (Für Brilka)".
Den Winfriedpreis erhalte Haratischwili jedoch nicht für ihre literarischen Leistungen, sonder für ihr gesellschaftliches und politisches Engagement, erklärte Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld in seiner Begrüßung. Für die Jury des Winfriedpreises sei entscheidend, dass sich Nino Haratischwili als Künstlerin öffentlich klar für die Idee des gemeinsamen Europas, für die Freiheit und für die Demokratie positioniert. Sehr deutlich komme diese Haltung in der 2025 erschienen Veröffentlichung mit dem Titel „Europa, wach auf!“ zum Ausdruck, so Wingenfeld. “Aus Sicht der Jury ist Nino Haratischwili ein ermutigendes Beispiel dafür, dass das Bekenntnis zu Europa nicht nur der Politik als Aufgabe überlassen werden kann, sondern dass es ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag ist, für Europa einzutreten.”
Die historischen und politischen Hintergründe für die Haltung Haratischwilis erläuterte der Osteuropa-Experte Reinhard Veser, Redakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung FAZ, in seiner profunden Laudatio. Eindrücklich schilderte er Kampf Georgiens um die Zugehörigkeit zu Europa und zeigte die Parallelen zur Situation in der Ukraine auf: “Bei allen Unterschieden haben das Geschehen in Georgien und in der Ukraine […] die gleichen historischen Wurzeln. Nino Haratischwili hat das vor zwei Jahren in ihrem flammenden Appell ”Europa, wach auf!" geschildert - eine Geschichte, die der Westen Europas viel zu lange nicht wahrhaben wollte, obwohl es eigentlich nicht schwierig gewesen wäre, sie zu sehen - und obwohl es genug Mahner und Warner gab."
Nino Haratischwili bedankte sich für die Auszeichnung, die für sie auch mit einer Verantwortung einhergehe, ihre Stimme weiter zu erheben für das, an was sie glaube: Für Europa, für die Idee der Demokratie. “Ich nehme den Preis stellvertretend entgegen für die vielen Menschen, die gerade in der Ukraine und in Georgien die europäische Idee mit ihrem Leben und ihrer Freiheit verteidigen. Für mich ist es eine große Ehre und ein Ansporn, dass ich diese Menschen mit meinen Waffen unterstützen kann.” Eine Alternative zu diesem Kampf für die Demokratie gebe es nicht, so ist sie sicher, deshalb lautete ihr leidenschaftlicher Appell: "Hoffnungslosigkeit können wir uns nicht leisten!"
Stichwort: Winfriedpreis der Stadt Fulda
Gestiftet wird der Winfried-Preis der Stadt Fulda von der Dr. H. G. Waider-Stiftung. Namensgeber ist der Heilige Winfried Bonifatius, der in Fulda begraben ist und bisweilen als der „erste Europäer des Frühmittelalters“ bezeichnet wird. Stifter des Winfried-Preises ist der 1926 in Fulda geborene Unternehmer Dr. Heinz G. Waider (gestorben 2015 in Neuss). Er war aufgrund seiner persönlichen Kriegserfahrungen überzeugt, dass Kriege nur durch ein offenes und friedliches Neben- und Miteinander aller Menschen verhindert werden können. Aufgrund der besonderen Verbundenheit des Stifters mit der Stadt Fulda wird der Preis hier verliehen.