FULDA 01.04.2026. Fairtrade und Sport – das ist eine Kombination, die auf den ersten Blick kaum Berührungspunkte zu haben scheint. Und doch kann auch der Sport einen Beitrag zum Thema fairer Handel und faire Produktionsbedingungen für Sportartikel leisten. Dieser Zusammenhang wurde im Rahmen der Rezertifizierung der Stadt Fulda zur „Fairtrade-Stadt“ im vergangenen Jahr innerhalb der Arbeitsgruppe „Faires Fulda“ des Agendabüros intensiv diskutiert – und wird jetzt auch mit Händen greifbar: Bürgermeister Dag Wehner übergab in seiner Funktion als Sportdezernent 100 Bälle an Sportvereine der Region, und alle diese Fuß-, Hand- oder Volleybälle stammen aus fairer Produktion. Federführend bei der Aktion war das Umweltzentrum Fulda.
Bei der Ballproduktion liegt aus Sicht der fairen Produktion und des Arbeitsschutzes tatsächlich einiges im Argen: So werden etwa 75 Prozent aller Fußbälle weltweit in Pakistan produziert, oft unter menschenunwürdigen Bedingungen. „Wir haben das als Stadt zum Anlass genommen, gemeinsam mit der Sparkasse Fulda als Sponsor einen Ball ins Rollen zu bringen, der das Augenmerk auf die Möglichkeiten richtet, wie auch Vereine hier einen Beitrag zum fairen Handel mit Sportgeräten leisten können“, sagte der Bürgermeister. 100 fair produzierte Bälle wurden über die „Firma Bad Boyz Ballfabrik“ beschafft, die in Pakistan mit Fairtrade-zertifizierten Herstellern zusammenarbeitet. Sportvereine der Region konnten sich für einen „Fairen Ball“ bewerben, den sie im Paket mit vielen Informationen rund um das Thema Fairtrade vor Kurzem im Vereinsheim des FSV Germania Fulda überreicht bekamen. „Diese Bälle stehen nicht nur für sportliche Aktivität, sondern auch für Verantwortung und globale Solidarität“, so Wehner.
Die Arbeitsbedingungen, Sozialleistungen und die Bezahlung der Arbeiterinnen und Arbeiter sind die drei Kernpunkte, die die „Fairen Bälle“ deutlich von den Produkten konventionellen Anbietern und Marken unterscheiden.
Die Stadt Fulda trägt seit dem 9. November 2018 den Titel „Fairtrade Town“. Als Fairtrade-Stadt will Fulda den fairen Handel auf kommunaler Ebene fördern und gleichzeitig die Vernetzung von Akteuren aus Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft, die sich gemeinsam lokal für den fairen Handel stark machen, vorantreiben.
Die Gesamtkosten von 4000 Euro für die Bälle teilten sich Stadt und Sparkasse, der Sportkreis Fulda-Hünfeld unterstützte die organisatorische Abwicklung. Auch der Sportverband Fulda war in die Initiative involviert. Für den Sportkreis lobte dessen Vorsitzender Harald Piaskowski die Initiative und die Anregung, auch solche Ideen einmal in die Vereine hineinzutragen.
Rieke Trittin aus der Geschäftsführung des Umweltzentrums führte dazu aus: „Der faire Handel lebt davon, dass immer mehr Menschen mitmachen. Auch jeder Verein kann einen Beitrag leisten, sei es mit der Anschaffung von Fairtrade-zertifizierten Bällen, dem Ausschank von zertifiziertem Kaffee beim nächsten Vereinsfest oder dem Kauf von Produkten aus zertifizierter Baumwolle.“ Der Sport verbinde Menschen – über Generationen, Kulturen und Grenzen hinweg. Gerade deshalb sei er auch ein idealer Botschafter für Werte wie Fairness, Respekt und Verantwortung. „Wenn diese Werte nicht nur auf dem Spielfeld gelten, sondern auch bei der Herstellung der Sportartikel berücksichtigt werden, dann wird Fairness wirklich ganzheitlich gedacht“, so Trittin.
Das Treffen der Vereinsvertreterinnen und -vertreter diente auch zum gegenseitigen Austausch und zur Vernetzung. Der Dank des Bürgermeisters und des Umweltzentrums galt hier dem FSV Germania, der seine Vereinsräume zur Verfügung gestellt hatte. Auf großes Interesse stieß ein „Themenkoffer Fußball“, in dem sich u.a. Original-Nähwerkzeuge der Ballnäher aus der „Fußball-Stadt“ Sialkot in Pakistan, Ballteile zum Begreifen der Herstellungsweise eines Balles sowie Informationsmaterial zur Fußballproduktion befanden. Dabei wurde u.a. deutlich, wie viel Handarbeit noch immer in den meisten Fußbällen steckt.