Gartenschauforum "Rund um den Tiergarten"

Bürgerinformation

Die Sanierung und Umgestaltung des Heimattiergartens stand im Fokus des geplanten „Gartenschauforums“ vom 27.10.2020. Dabei sollten die angrenzenden Maßnahmen der Landesgartenschau mit dem „Garten am Sprengelsrasen“ und die verkehrstechnischen Projekte der Stadt zur Verbesserung der Nahmobilität mit betrachtet und erläutert werden. Leider verhinderten die kurzfristig erlassenen Beschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie nun schon das zweite Mal die Durchführung. Die wichtigsten Informationen, die die Planer und beteiligten Fachleute gerne persönlich übermittelt hätten, haben wir daher hier für Sie zusammengefasst.
Die Sanierung und Erweiterung des Heimattiergartens Neuenberg mit neuen Gebäuden und veränderten Zugangswegen, einem modifizierten Mensch-Tier-Begegnungskonzept und seiner Bedeutung für das Freizeitangebot in der Region ist neben der Neuanlage des „Garten am Sprengelsrasen“ zentraler Bestandteil der durchgehenden Grünverbindung von der Fulda-Galerie zum Naherholungsgebiet Aueweiher. Möglich macht diese Anbindung die neue Brücke über die Sickelser Straße und die Anlage von Rad- und Fußwegen rund um den Tierpark. Die einzelnen Maßnahmen werden im Folgenden näher erläutert:
 


Der Heimattiergarten

Der Heimattiergarten in Fulda erhält ein neues Gesicht. Während heute neben verschiedenen Vogelarten vor allem Nutztierarten, aber auch Wildtiere und Exoten durch den Heimattiergarten e.V. Fulda-Neuenberg betreut werden, orientiert sich der künftige Tierbestand vor allem an der neuen Konzeption als zertifizierter Mensch-Tier-Begegnungsort. Das Verständnis für die Bedürfnisse der Tiere und die Möglichkeit der „hautnahen“ Begegnung mit Tieren als Individuen stehen künftig im Mittelpunkt. Der Tiergarten wird als wichtiges Angebot der Umweltbildung weiterentwickelt und kooperiert dazu verstärkt mit dem „Umweltzentrum Fulda - Zentrum für Nachhaltigkeit, Gartenkultur und Tierpädagogik e.V."
Um diese neuen Anforderungen erfüllen zu können, wird der Tiergarten von ca. 1,8 ha auf ca. 3,8 ha erweitert. Neben der Vergrößerung der Weideflächen und der Umstrukturierung von Gehegen und Wegeverbindungen, wird auch der Zugang über die beiden Eingänge am Landwehrweg sowie von der Sickelser Straße aus neu geregelt. Mit dem Neubau eines Wirtschafts- und eines Funktionsgebäudes verbunden ist auch die Schaffung der nötigen Leitungsinfrastruktur. Dafür wurde bereits im Sommer 2019 mit dem Bau eines neuen Entwässerungskanals begonnen. Der Naturraum der Schnarrehohle wird weitgehend von der alten, unstrukturierten Bebauung befreit. Um barrierefrei von der Erweiterungsfläche nördlich des Tälchens zum Besucherzentrum im Süden zu gelangen, wird im Tiergarten ab Herbst 2020 ein zwei Meter breiter und ca. 33 m langer Fußgängersteg errichtet. Die behindertengerechte Erschließung innerhalb des Tiergartens ist nicht überall möglich, jedoch soll ein aufgeständerter Weg eine barrierefreie Verbindung zwischen „Oben“ und dem Talboden ermöglichen.
Die wertvollen Bestandsbäume werden erhalten, die neue Vegetation berücksichtigt Klimabaumarten, Erosionsschutz sowie gebietsheimisches Saatgut.
Die geplanten Spielelemente nehmen Bezug auf die hier lebenden Tiere, Ausstattungsgegenstände und Mobiliar sind kindgerecht, langlebig und auch für Menschen mit Sehbehinderung gut erkennbar. So ist bis zum Frühjahr 2023 ein Areal in Entstehung, das wirklich für Mensch und Tier Bereiche für Begegnung ebenso wie für Rückzug und Beobachtung bereithält.
Die Sanierung des Tiergartens Fulda ist die größte Maßnahme des Förderprogramms „Zukunft und nachhaltige Entwicklung“ (ehemals Zukunft Stadtgrün) und beinhaltet neben der Erweiterung und Neugestaltung der Freiflächen auch den Neubau eines Wirtschaftshofes und eines Haupteingangsgebäudes (Torhaus).
 


Das Wirtschaftsgebäude

Das Wirtschaftsgebäude wird im neuen Erweiterungsteil des Tiergartens am Landwehrweg realisiert. Das Gebäude nimmt einen Tierunterstand mit Quarantänestation auf, des Weiteren sind ein Gerätelager, eine Werkstatt sowie ein Futtermittel- und Einstreulager und ein zentraler Misthaufen geplant. Im Torbereich wird eine Kasse mit Zugangskontrolle integriert, um über die neue Brücke überm Engelshaus den Zugang zum Tiergarten auch von dieser Seite zu ermöglichen.
Das lang gestreckte, eingeschossige Gebäude in Holzrahmenbauweise wird auf einer Stahlbetonbodenplatte gegründet. Die Wandungen im Bereich des Misthaufens und des Tierunterstandes sowie der Quarantänestation werden bis 1,50 m Höhe ebenfalls in Stahlbeton ausgeführt. Das Satteldach erfolgt als leicht geneigte Holzkonstruktion von 4-6° und wird mit einer extensiven Begründung sowie aufgeständerten Photo-voltaikanlage versehen. Die Fassade erhält eine vertikale, anthrazitgraue Holzverkleidung. Sämtliche Toröffnungen und Türen werden in der gleichen Materialität ausgeführt und flächenbündig in die Fassade integriert.
Aufgrund der Lage und der Ausbildung eines kleinen Platzes am Anfangspunkt der Brücke überm Engelshaus kommt dem Wirtschaftsgebäude neben der funktionalen auch eine wichtige raumgliedernde Bedeutung zu. Der prismenförmige Baukörper stellt eine Zäsur zum sich dahinter öffnenden Tierpark dar, gleichzeitig vermittelt er aber im Zusammenspiel mit dem vorgelagerten Platz die Verbindung zur Brücke und dient für die Besucher als Entrée.
Die Bauarbeiten haben im September 2020 begonnen und sollen bis zum März 2021 abgeschlossen werden. Danach können die alten, im Gelände verteilten baulichen Einheiten abgebrochen werden, um Raum für die Umgestaltung des Tierpark-geländes zu schaffen.
 


Das Funktionsgebäude

Das Funktionsgebäude stellt in Form eines Torhauses den Haupteingang zum Tiergartengelände dar. Städtebaulich übernimmt das Gebäude eine Scharnierfunktion. Es vermittelt zwischen der Zuwegung von der Sickelser Straße und dem neuen Park und bildet gleichzeitig einen schützenden Rücken zur Hohle sowie dem zentralen Eintritt in den Tiergarten.
In der Mitte des Gebäudes bzw. am Schnittpunkt beider Gebäudeflügel liegt der Haupteingang, von dessen Foyer der Besucher über einen Kassen- und Shoptresen und einer integrierten Zugangskontrolle auf direktem Weg in den Tiergarten gelangt. Vom Foyer erreicht man die im 1. Obergeschoss liegenden zentralen WC-Anlagen sowie die Mitarbeiter-Büros. Das Behinderten-WC liegt im Erdgeschoss. Im westlichen Flügel ist der Bistrobereich mit Anlieferung und erforderlichen Arbeits- und Lagerräumen untergebracht. Der östliche Gebäudeflügel nimmt das Warmhaus und die Außenvolieren für die Papageien sowie verschiedene Funktionsräume wie Umkleidebereiche, sanitäre Einrichtungen, Lager und die Anlieferung auf.
Die Schnittstelle des Gebäudes (Foyer) wird als Stahlbetonkonstruktion ausgeführt, die beiden Seitenflügel als Holzrahmenbauweise. Das asymmetrisch angeordnete Satteldach liegt als lang gestreckte Form im Landschaftsraum. Die Dachflächen mit einer Dachneigung von ca. 8°-11° werden extensiv begrünt und in Abhängigkeit vom Energiekonzept mit einer Photovoltaikanlage bestückt. Energetisch wird eine Beheizung mit Erdwärme favorisiert. Die Fassade wird analog der Verkleidung des Wirtschaftsgebäudes mit vertikalen, anthrazitgrauen Holzprofilleisten ausgeführt.
Nach der Herstellung der Versorgungsleitungen beginnen die Arbeiten für das Torhaus im Frühjahr 2021, die Fertigstellung ist für den Sommer 2022 geplant.
Durch das neue Funktionsgebäude mit Bistro und Biergarten, den Spielplatz und die neue Grünanlage erfährt der Tiergarten eine enorme Aufwertung und es entsteht an dieser Stelle städtebaulich und landschaftlich ein neuer Aufenthalts- und Begegnungsort.


Der Spielplatz am Tierpark

Der Spielplatz am Tierpark ist Teil des Vorplatzes, der sich in Richtung Parkanlage öffnet und neben der Eingangsfunktion auch noch eine als Biergarten nutzbare Freifläche beinhaltet. Die individuelle Gestaltung des Spielplatzes spielt in abstrahierter Form mit dem Thema „Acker“ und nimmt damit unmittelbaren Bezug zu den umliegenden landwirtschaftlichen Flächen. In einer stilisierten Jahresabfolge erinnern fünf aneinandergrenzende Bereiche durch abwechselnd hoch und tiefliegende Flächen an die Furchen eines gepflügten Feldes. Im ersten Abschnitt soll eine große Sandfläche mit verstreuten großen Steinen den brachliegenden Acker darstellen. Im Anschluss befindet sich ein Streifen mit verschiedenen Wasserspielen, die den Regen symbolisieren, der die aufgehende Ansaat wachsen lässt. Die „Halme“ des hochstehenden Getreides finden sich im dritten Bereich als buntes, hölzernes Stangenlabyrinth wieder, das Kinder zum Verstecken, Klettern und Balancieren einladen soll. Ein Großklettergerät in Anlehnung an aufeinander gestapelte runde Strohballen fördert Geschicklichkeit und fordert den Mut, sich immer höher zu wagen und zunehmend schwierigere Passagen zu meistern. In der letzten „Furche“ ist das Feld abgeerntet und wieder eben, eingelassene Trampoline ermöglichen einzelnes aber auch gemeinsames Hüpfen und Springen, die schrägen Wände der seitlichen Begrenzungen bieten einfache Rutschflächen an.


Der Garten am Sprengelsrasen

Der Garten am Sprengelsrasen bildet durch eine sanft modellierte Wiesenlandschaft auf einer ehemaligen landwirtschaftlichen Fläche den Lückenschluss des Grünzuges zwischen dem Park an der Bastion und dem Tiergarten. Vor der Kulisse des alten Eichenbestandes der Schnarrehohle durchzieht ein feldwegähnlicher Pfad das Gelände, in dem heimische und alte Obstbäume verstreut sind. An der gegenüberliegenden Längsseite konzentrieren sich in einem 12 m breiten Aktionsband verschiedene Aufenthalts-, Spiel- und Sportangebote. Während der erste Teil des Bandes noch von zu verpachtenden Gemüse- und Beerenobstflächen geprägt ist, nimmt die Freizeitnutzung in Richtung Park an der Bastion zu. Neben Sitzmöglichkeiten unter einer Pergola, einem Holzdeck und einem Balancierspielgerät findet sich hier auch ein großzügiger Insektengarten, in den zahlreichen Blütenpflanzen und vielfältige Nist- und Überwinterungsangebote gezeigt werden. Über eine Treppenanlage mit großen Sitzstufen führt das Aktionsband weiter in den bereits bestehenden Park an der Bastion, der so mit der neuen Grünfläche verbunden wird. Ein Bewegungsparkour und eine kubusartige Überdachung erweitern hier das Sport- und Aufenthaltsangebot für Jugendliche.


Die Brücke über dem Engelshaus

Die Brücke über dem Engelshaus überspannt die untere Schnarrehohle sowie die Sickelser Straße und verbindet dadurch die Ortsteile Neuenbergs zwischen Landwehrweg und Hainzeller Straße. Durch diese Fuß- und Radwegebrücke entsteht eine barrierefreie Verbindung zum neuen Park überm Engelshaus und weiter ins Naherholungsgebiet Aueweiher. Die Brücke hat eine Länge von 160 m und eine Breite von 4 m. Die geknickte Linie dient der behutsamen Führung des Stegs durch den vorhandenen Baumbestand beiderseits der Hohle. Die Holzkonstruktion des Brückenträgers und die filigranen Stützen sollen das Bauwerk mit der Landschaft verschmelzen. Von dem kleinen Vorplatz am Wirtschaftsgebäude führt die Brücke mit einer Höhe von bis zu 15 m durch die Baumkronen unterhalb des Tiergartens. Bevor sie auf der gegenüberliegenden Höhe den Park überm Engelshaus erreicht, bieten sich eindrucksvolle Ausblicke auf Fulda und die Rhön.
Um den Tierpark herum werden über 800 m bisherige Feldwege als 3 m breite bituminös befestige Fuß- und Radwege ausgebaut, um den Anschluss an das vorhandene Radwegenetz Galerie und die Fernradwege R1, R2 und R3 in der Fuldaaue herzustellen. In dem Zusammenhang muss auch die Oberflächenentwässerung betrachtet und neue Gräben und Mulden angelegt werden.
An der Sickelser Straße entsteht außer einer neuen Bushaltestelle auch ein Parkplatz mit ca. 60 Stellplätzen. Ein von einem Grünstreifen flankierter 3 m breiter asphaltierter Weg führt die Besucher zwischen den Feldern zum neuen Haupteingang des Tiergartens.
 

Spatenstich für neues Wirtschaftsgebäude Tiergarten


Es war ein kleiner Spatenstich, aber der Beginn eines großen Projektes: Die Umgestaltung des Tiergartens in Neuenberg beginnt mit dem Neubau eines Wirtschaftshofes im neuen Erweiterungsteil des Tiergartens. Den ersten Spatenstich dafür nahmen Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld und Stadtbaurat Daniel Schreiber zusammen mit den Projektbeteiligten am 28. September 2020 vor.

„Die Sanierung des Tiergartens ist die größte Maßnahme im Förderprogramm ‚Zukunft und nachhaltige Entwicklung‘“, erklärte Stadtbaurat Schreiner. Der 1. Bauabschnitt der Gesamtmaßnahme umfasst neben der Erweiterung und Neuge-staltung der Freiflächen auch den Bau des Wirtschaftshofes und eines Multifunktionsgebäudes. 

Im neuen Wirtschaftshof wird ein Tierunterstand mit Quarantänestation untergebracht, zudem ein Gerätelager, eine Werkstatt, Lager für Futter und Einstreu sowie der zentrale Misthaufen. Errichtet wird er auf der Erweiterungsfläche des Tiergartens nordöstlich des bisherigen Geländes. In diesem neuen Freigelände finden zukünftig Zebus, Lamas, Ponys und Esel ein neues Zuhause. Über eine Brücke gelangen die Besucherinnen und Besucher dann barrierefrei auf das Ge-lände des Tiergartens.

Wenn der Neubau fertiggestellt ist, können die alten wirtschaftlichen Anlagen, die deutlich sanierungsbedürftig sind, zurückgebaut werden. Damit entsteht Platz für die Umgestaltung zu einem neuen Ort für Mensch-Tier-Begegnungen und zugleich bleibt die geschützte Landschaftshohle zukünftig frei von Gebäuden. Am Eingang des Wirtschaftsgebäudes wird zusätzlich eine Kasse mit Zugangskontrolle als Ne-beneingang zum Tiergarten entstehen. Die Kosten für das Wirtschaftsgebäude betragen ca. 1,2 Millionen Euro, die Fertigstellung ist für Februar 2021 geplant.

„Der Tiergarten ist für Generationen von Fuldaern eine Institution in unserer Stadt, die nun baulich und inhaltlich weiterentwickelt wird. Unser Ziel ist es, hier ein attraktives Naherholungsziel und zugleich einen Lernort für Umweltbildung in Zusammenarbeit mit dem Umweltzentrum zu schaffen“, so Oberbürgermeister Wingenfeld. Gemeinsam mit Stadtbaurat Schreiner dankte er herzlich den Mitglie-dern des Heimattiergarten e.V., die den Tiergarten mit Engagement und Herzblut betreiben. Das neu gestaltete Gelände mit den neuen Gebäuden bietet für die Tiere bessere Lebensbedingungen sowie für die ehrenamtlichen Helfer bessere Arbeitsbedingungen.