Johanna Maxl erhält ersten Fuldaer Literaturpreis

Johanna Maxl Foto: Jakub Simcik

Verleihung an junge Autorin am Dienstag, 14. Mai um 20 Uhr im Fürstensaal des Fuldaer Stadtschlosses

Die Nachwuchsautorin Johanna Maxl erhält den in diesem Jahr erstmals ausgeschriebenen Literaturpreis der Stadt Fulda für ihren Debütroman „Unser großes Album elektrischer Tage“. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und soll künftig jährlich von einer hochkarätig besetzten Jury für das beste deutschsprachige Debütwerk der Büchersaison vergeben werden. Die erste Verleihung fällt in das laufende Jubiläumsjahr „1.275 Jahre Fulda“, die Preisübergabe an Johanna Maxl wird als Abschluss der etablierten Fuldaer Lesereihe „Literatur im Stadtschloss“ am Dienstag, 14. Mai, um 20 Uhr im Fürstensaal des Fuldaer Stadtschlosses erfolgen, die in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen feiert. Der Eintritt ist wie immer frei, es wird um rechtzeitiges Erscheinen gebeten.

Bei der Bekanntgabe der Preisträgerin im Rahmen einer Pressekonferenz im Januar hatte Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld betont, dass die Stadt Fulda mit der Auslobung dieses für den gesamten deutschsprachigen Raum relevanten Preises an die reiche Bildungstradition der Stadt und insbesondere des Klosters Fulda anknüpfen möchte: Schließlich war Fulda im frühen Mittelalter ein europaweit anerkanntes Zentrum der Literatur sowie der Buch- und Schreibkunst, bedeutende Gelehrte wie Rabanus Maurus wirkten in Fulda.“ Auf diese Tradition beziehe sich auch die gemeinsame Bewerbung der Stadt Fulda und der Gemeinde Petersberg um das Europäische Kulturerbesiegel.

Der renommierte Literaturkritiker Christoph Schröder („Die Zeit“, „Süddeutsche Zeitung“, „Tagesspiegel“) erläuterte als Sprecher der Jury die Gründe für die Auswahl der Preisträgerin: Johanna Maxl habe mit ihrem Debütroman „Unser großes Album elektrischer Tage“ einen Text geschrieben, der durch die „Sicherheit ihrer literarischen Stimme“ beeindrucke. „In prägnant poetischen Bildern beschreibt sie die Gebrochenheit von Rollenvorstellungen im 21. Jahrhundert“, sagte Schröder. Ungewöhnlich sei die Form: Im Chor sprechen die Kinder einer Figur namens Johanna, die verschwunden ist. Das Fazit der Jury: „Maxls Prosa besticht durch Vieldeutigkeit, Anspielungsreichtum und Humor.“

Zur Jury gehörten in diesem Jahr neben Schröder die Autoren Frank Witzel und Ingo Schulze, die Literaturkritikerin Insa Wilke (Süddeutsche Zeitung und Rundfunk) sowie die Autorin und Texterin Leona Stahlmann. Sie tritt am Dienstagabend als Laudatorin für ihre Kollegin Johanna Maxl auf. Stahlmann (geboren 1988 in Fulda) hat auf der Fuldaer Marienschule ihr Abitur gemacht und lebt heute in Hamburg. 2017 gewann sie den Hamburger Förderpreis für Literatur, im Januar 2019 erhielt sie in Frankfurt zusammen mit zwei weiteren Autorinnen den „Wortmeldungen“-Förderpreis der Crespo-Foundation.

 

Zur Preisträgerin:

Die junge Autorin Johanna Maxl stammt aus Bayern und gehört zu den Autorinnen ihrer Generation, die mit Experimentierfreude dazu beitragen, die Grenzen einer Kunstform auszuloten und Verbindungen zu anderen künstlerischen Ausdrucksformen zu schaffen. Ihre Texte finden vor allem an der Schnittstelle zur Kunst Anwendung, werden szenisch oder räumlich in Performances und Installationen inszeniert. Ausstellungen und Veranstaltungen, die Literatur, visuelle Kunst und Schauspiel interdisziplinär verbinden, organisiert sie im Rahmen der „Initiative Wort & Bild“ zusammen mit dem Künstler Jakub Šimčik.

Auch ihr erstes Buch „Unser großes Album elektrischer Tage“ (Verlag Matthes & Seitz, Berlin) kam noch im Erscheinungsjahr 2018 als Theaterprojekt der Gruppe James & Priscilla auf die Bühne. Die Autorin studierte am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig, schloss dort mit einem Bachelor und Master ab und besuchte als Meisterschülerin die Klasse von Prof. Alba D’Urbano an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Von visuellen Eindrücken und Stilmitteln der filmischen Dokumentation geprägt ist auch ihr Romandebüt, das von der Suche nach Identitäten handelt. Kinder und Jugendliche kommen dort selbst zu Wort und beschreiben auf eindrucksvolle und unverstellte Weise ihre Lebenssituation, der eine bis dahin ordnende Instanz abhandengekommen ist – in diesem Falle offensichtlich eine plötzlich verschwundene Mutter.

Zum Preis:

Der Literaturpreis der Stadt Fulda soll künftig jährlich verliehen werden für ein deutschsprachiges Prosa- oder Lyrik-Debüt aus dem jeweils aktuellen Herbst- bzw. Frühjahrsprogramm. Die fünfköpfige Jury wird hochkarätig besetzt, mit jeweils zwei Vertreterinnen und Vertretern aus Autorenschaft und Literaturkritik sowie dem Preisträger beziehungsweise der Preisträgerin des Vorjahres.

Für die Auswahl macht jedes Jurymitglied fünf Debütvorschläge, aus denen jeweils zwei Titel für eine Shortlist benannt werden. Aus diesen maximal zehn Titeln wählt die Jury bei ihrer Sitzung den Preisträger/die Preisträgerin. Die Organisation für den Literaturpreis liegt in den Händen von Silke Hartmann von der Frankfurter Agentur „Kulturperle“.

Die Verleihung des Preises findet jeweils im Rahmen der Lesereihe „Literatur im Stadtschloss“ in Fulda statt. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird durch die Jubiläumsstiftung der Sparkasse Fulda unterstützt.