Der Stadtteil Fulda-Bronnzell mit dem Ortsteil Ziegel

Bronnzell ist der südlichst gelegene und geschichtlich älteste Stadtteil von Fulda mit dem Ortsteil Ziegel. Das Gebiet gehörte zu dem Territorium, das 743 vom Hausmeier Karlmann dem hl. Bonifatius für die Gründung des Klosters Fulda geschenkt worden war, die sogenannte „Karlmann-Schenkung“. In seiner Vita beschreibt der hl. Sturmius, als er bei seiner ersten Erkundungsfahrt per Boot von Hersfeld aus vergeblich den Platz für das Kloster Fulda suchte, dass er „bis zu dem Gebiet gekommen sei – ca. 1.000 Schritte hinter dem Zufluß der Gisalah (Giesel), wo sich das Tal verengt und die Berge rechts und links bis an den Fuldafluß reichen“ – unzweifelhaft bei Bronnzell. Hier wurden vor ca. 40 Jahren beim Sportplatzneubau auch die Reste einer Brückenanlage über die Fulda entdeckt. Möglicherweise hat hier am frühgeschichtlichen Ortesweg von Frankfurt nach Nürnberg schon früher eine Siedlung bestanden.

Urkundlich wird der Ort erstmalig im Bericht des Abtes Eigil vom Kloster Fulda über das Leben des hl. Sturmius erwähnt, dass die Fuldaer Mönche im Jahre 778 mit den Gebeinen des hl. Bonifatius vor den aufrührerischen Sachsen geflüchtet seien und die erste Nacht in der ihrem Kloster zunächst gelegenen Zelle
(= proxima cella) verbracht hätten, da wo die Fliede bei Ziegel in die Fulda mündet. In der Mitte des 9. Jh. wird in der Lebensbeschreibung der hl. Lioba erwähnt, dass sie in der „benachbarten Zelle“ bei ihren Begleiterinnen übernachtet habe, die sie dort zurückgelassen hatte. Darauf beriefen sich etliche Autoren, dass der Ortsname Bronnzell auf diese Bezeichnung „proxima cella“ zurückgeht.

Die Abschrift einer Urkunde von Abt Hatto I.im Codex Eberhardi aus dem Jahre 852 enthält den Ortsnamen „Promestescella“. Wie in so vielen benachbarten Orten mit –zell-Endung geht der Name auf den Gründer oder ersten Mönch der Zelle namens Promestes zurück, die vom Kloster Fulda aus in der gesamten Gegend errichtet wurden. Bisher ging man davon aus, dass Promestes slawischen Ursprungs sei und soviel wie grimmige oder schwere Rache heißt. Neuere Sprachforschungen gehen von einem germanischen Ursprung des Namens aus. Im 11. Jh. wird „Promcello“ erwähnt, im 12. Jh. „Promcella“, im 13. Jh. „Promecelle“, weitere Namen waren Bromczelle, Bräunzell, Bromzell, Brumzell etc. – insgesamt 16 verschiedene Namen.1978 feierte Bronnzell sein 1200- und 2003 sein 1225jähriges Bestehen in einem großen Fest.

Im Jahre 1510 gab es ca. 80 Einwohner in Bronnzell, zu Beginn des 17. Jh. hatte sich die Einwohnerschaft verdoppelt. Aufgrund seiner verkehrsmäßig günstigen Lage hatte der Ort im dreißigjährigen Krieg viel zu leiden, im Nachkriegsjahr 1649 ist kein Einwohner bezeugt. Ende des 17. Jh. scheint sich die Situation gebessert zu haben, eine kleine Fachwerkkapelle wurde errichtet. 1708 gab es in Bronnzell dreizehn Bauernhöfe. Durch weitere Kriegseinwirkungen im Siebenjährigen Krieg und durch den Durchzug der Napoleon-Heere verschlechterte sich die Situation wieder. Durch die „Schlacht bei Bronnzell“ zwischen Preußen und Bayern/Österreich am 8. November 1850 ging Bronnzell in die Geschichtsbücher ein. Der „Schimmel von Bronnzell“ wurde damals in ganz Deutschland bekannt und 1969 in das Bronnzeller Gemeindewappen einbezogen.

Im 20. Jh. entwickelte sich Bronnzell zu einer modernen Gemeinde. 1905 wurde die erste Wasserleitung gebaut. Kirchlich gehörte Bronnzell zur Pfarrei Florenberg, 1924/27 wurde die große kath. Kirche St. Peter errichtet, aber erst 1972 zur eigenständigen Pfarrei erhoben. Bis 1864 gingen die Bronnzeller Schüler in die Schule auf dem Florenberg, dann bis 1945 nach Kohlhaus. Im Herbst 1945 wurde im Jägerhaus eine notdürftige Schule eingerichtet. 1950/51 wurde die Volksschule erbaut, die 2002 den Namen der Landgräfin Anna von Hessen erhielt, die im benachbarten Schloß Fasanerie ihren Sommersitz hatte, 1965 wurde das Bürgerhaus errichtet, Kinder-garten und neuer Sportplatz folgten. 1970 wurde die ev. Friedenskirche für die evangelischen Gläubigen der Umgegend gebaut. 1972 wurde Bronnzell im Zuge der Gebietsreform in die Stadt Fulda eingegliedert.

Im zweiten Weltkrieg lag Bronnzell aufgrund seiner strategischen Lage mit wichtiger Nord-Süd-Eisenbahnverbindung und der Nähe zum Güterbahnhof  Fulda oft im Zielfeuer der alliierten Bomberverbände. Am 17. März 1945 wurden Kirche und Jägerhaus schwer getroffen, ein junger Mann wurde getötet. 26 Soldaten aus Bronnzell fielen im Krieg, 27 waren vermißt, sieben Einwohner kamen bei Fliegerangriffen auf Fulda ums Leben. Ende des Krieges zählte Bronnzell weniger als 500 Einwohner. Durch Flüchtlingszuweisung und stetigen Zuzug aufgrund der Nähe zur Stadt und damit zum Arbeitsplatz wuchs Bronnzell zu seiner heutigen Größe. Ein reges Vereinsleben bietet den Bewohnern ein reichhaltiges kulturelles Angebot.

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