Häusliche Gewalt

Aktion zum Internationalen Gedenktag gegen Gewalt an Frauen am 25.11.2008


Häusliche Gewalt

AG Gewalt im sozialen Nahraum des Präventionsrates Fulda

Was ist häusliche Gewalt?

Häusliche Gewalt ist eine Beziehungsgewalt, die im privaten Bereich stattfindet. Sie wird fast ausschließlich von Männern gegen Frauen und Kinder ausgeübt. Die Formen sind sehr vielschichtig und reichen von Bedrohung, Freiheitsberaubung bis hin zu körperlicher Misshandlung und sexueller Gewalt. Dies sind strafbare Handlungen, gegen die Sie sich rechtlich wehren können – auch unabhängig von Ihrer Staatsangehörigkeit.

  • Wichtige Informationen über Ihre Rechte und Möglichkeiten bei häuslicher Gewalt - Erhältlich in folgenden Sprachen: Deutsch – türkisch - russisch
  • Information – Beratung – Hilfe
  • „Runder Tisch“ -  AG Gewalt im sozialen Nahraum des Präventionsrates Fulda

Wichtige Informationen über Ihre Rechte und Möglichkeiten bei häuslicher Gewalt

Wie kann ich als Betroffene Hilfe bekommen?

Wenn Sie in akuter Gefahr sind:

  • rufen Sie die Polizei, Notruf 110 (Tag und Nacht, kostenlos). Es ist Aufgaben der Polizei, die akute Gefahr abzuwenden.
  • bringen Sie sich und ggf. Ihre Kinder in Sicherheit (z. B. bei Nachbarn, in Geschäften).

Es besteht ein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung häuslicher Gewalt, d. h. die Polizei muss ermitteln, selbst wenn Sie (noch) keinen Strafantrag stellen.

Die Polizei kann:

  • den Täter in Gewahrsam nehmen, d. h. den Täter aus der Wohnung entfernen und ihn ohne richterliche Entscheidung bis zum Ende des darauf folgenden Tages in Gewahrsam nehmen.
  • einen Platzverweis aussprechen, d. h. der Täter muss die Wohnung verlassen (den Wohnungsschlüssel abgeben) und darf sich ihr für einen festgesetzten Zeitraum (bis zu 14 Tage) nicht nähern. Verstößt er dagegen, macht er sich strafbar.

Für Sie bedeutet das:

Sie könnten erst einmal in Ihrer Wohnung bleiben. In dieser Zeit haben Sie die Möglichkeit, in Ruhe weitere Schritte zu überlegen und sich Beratung und Unterstützung zu holen.
(Hilfeeinrichtungen, Schutzanordnungen)

Wenn Sie die Wohnung verlassen wollen

Die Polizei hilft Ihnen, ins Frauenhaus oder zu Verwandten/Freunden zu gehen.

  • Frauenhaus

Das Frauenhaus bietet Ihnen und Ihren Kindern Schutz und vorübergehende Wohnmöglichkeit unabhängig von Einkommen, Familienstand, Nationalität und Religion.
- Die Aufnahme ist Tag und Nacht möglich
- Die Adresse ist anonym
- Im Frauenhaus leben die Frauen eigenverantwortlich, sie versorgen sich und ihre Kinder selbst
- Dort werden Sie umfassend beraten und unterstützt.
(Hilfeeinrichtungen)

  • Verwandte/Freunde

Vielleicht können Sie auch bei Verwandten oder Freunden vorübergehend Schutz finden.
Hier wird es evtl. schwierig sein, Ihren Aufenthalt dem Täter gegenüber geheim zu halten.

Sie können/sollten sich in jedem Fall zusätzliche Beratung und Unterstützung holen (Hilfeeinrichtungen).

  • Was Sie mitnehmen sollten:

Dokumente (wenn möglich):

· Ausweis von Ihnen und Ihren Kindern
· Krankenversicherungskarte von Ihnen und Ihren Kindern
· Geburtsurkunde, Heiratsurkunde, Sparbuch
· Kontounterlagen, Sparbücher, Kreditverträge, Schuldenbelastungen
· Arbeitsvertrag, Arbeitserlaubnis, Rentenbescheide, Arbeitsamts-bescheide
· Lohnabrechnungen, Bewilligungsbescheide (Kindergeld, Erziehungsgeld, ggf. Sorgerecht)
· Sozialamtsbescheide
· Mietvertrag
· Zeugnisse (auch die der Kinder)

Weiteres:

· Wohnungsschlüssel
· wichtige Medikamente
· Kleidung
· persönliche Gegenstände (z. B. Lieblingsspielzeug, Schulsachen der Kinder, Schmuck, Fotos, Adressen)

Falls Sie zu einem späteren Zeitpunkt noch persönliche Dinge aus der  Wohnung benötigen, kann die Polizei Sie begleiten und schützen.

Information – Beratung – Hilfe

Anlaufstellen zum Schutz vor Gewalt gegen Frauen:

Polizeinotruf: 110 (Tag u. Nacht)

Polizeistation Severingstr.1-7: 105-0
Polizeiposten Aschenbergplatz 1: 9527363

Frauenhaus
(Sozialdienst kath. Frauen):
Telefon: 0661/952952-5 (Tag und Nacht)

Interventionsstelle gegen Gewalt an Frauen
(Sozialdienst kath. Frauen e. V. Fulda)
Karlstraße 30, 36037 Fulda
Telefon: 0661/8394-14

Beratungsstelle gegen sexuelle Gewalt
(Sozialdienst kath. Frauen e. V. Fulda)
Karlstraße 30, 36037 Fulda
Telefon: 0661/8394-15

Schutzambulanz Fulda
Otfrid-von-Weißenburg-Str. 3
36043 Fulda
Telefon: 0661/6006-6060

pro familia
Heinrichstraße 35
36037 Fulda
Telefon: 0661/48049690

Amt für Familie und Jugend der Stadt Fulda
Bonifatiusplatz 1-3
36037 Fulda
Telefon: 0661/102-1902

Jugendamt des Landkreises Fulda
Wörthstr. 15
36037 Fulda
Telefon: 0661/6006-203

IHRE RECHTE

1. Strafrechtliche Möglichkeiten

Unabhängig davon, ob Sie in Ihrer Wohnung bleiben oder ob Sie Ihre Wohnung verlassen wollen, können Sie:

- Anzeige erstatten/Strafantrag stellen

Sie können den Misshandler bei der Polizei anzeigen und  Strafantrag stellen. Dies muss innerhalb von drei Monaten nach der Tat geschehen.


Wir raten Ihnen, sich eine Rechtsanwältin/einen Rechtsanwalt zu nehmen. Zur besseren Wahrung Ihrer Rechte haben Sie auch die Möglichkeit durch diese/diesen eine Nebenklage zu beantragen.

Für alle anwaltlichen Beratungen und Begleitungen bei Prozessen haben Sie für den Fall, dass Sie kein oder nur ein geringes Einkommen haben, einen Anspruch auf Beratungs- und Prozesskostenhilfe. Den Antrag darauf stellen Sie bei der Rechtsanwältin/dem Rechtsanwalt.


Wenn Sie verletzt sind,

lassen Sie sich von einer Ärztin/einem Arzt behandeln und ein Attest über die Folgen der Gewaltanwendungen ausstellen.

Dies sollten Sie auch tun, wenn Sie die Polizei nicht rufen und auch keine Anzeige machen wollen.
Selbstverständlich können Sie auch dann die Beratungsangebote der
Hilfeeinrichtungen nutzen.


2. Zivilrechtliche Möglichkeiten

- Schutzanordnungen nach dem Gewaltschutzgesetz

1. Zuweisung der Wohnung

Sie können beim Amtsgericht/Familiengericht per Eilverfahren beantragen, dass Ihnen Ihre Wohnung zur alleinigen Nutzung zugewiesen wird.

Wenn Sie gemeinsam an der Wohnung berechtigt sind bzw. der Täter alleine, so ist der Zeitraum der Zuweisung erst einmal auf höchstens sechs Monate begrenzt, kann aber auf Antrag verlängert werden. In dieser Frist haben Sie Zeit, sich darüber klar zu werden, ob Sie weiter in der Wohnung bleiben möchten oder nicht.

Voraussetzung für den Anspruch auf Wohnungsüberlassung ist, dass Sie innerhalb von drei Monaten nach der Tat die Wohnungsüberlassung schriftlich von dem Täter verlangen.

2. Kontakt- und Näherungsverbot
Sie können beim zuständigen Amtsgericht/Familiengericht per Eilverfahren beantragen, dass der Täter z. B.

- Ihre Wohnung nicht mehr betreten darf,
- sich Ihnen und Ihren Kindern in einem bestimmten Umkreis nicht nähern darf (Wohnung, Arbeitsplatz, Kindergarten, Schule, Einkaufsmarkt etc.)
- weder persönlich, schriftlich, telefonisch, noch per SMS und E-Mails Kontakt mit Ihnen aufnehmen noch Sie auf jegliche Art belästigen darf.

Die Schutzanordnungen sollten genau auf Ihre persönliche Gefährdungs- und Bedrohungssituation abgestimmt sein.
Die Maßnahmen sind befristet, können aber auf Antrag verlängert werden.


- Schadensersatz und Schmerzensgeld
Sie und auch Ihre Kinder haben Anspruch auf Schadensersatz gegen den Täter. Dazu gehören:
- Kosten für ärztliche Behandlung
- finanzielle Ausfälle wie Dienstausfall
- oder Kosten für den Ersatz zerrissener Kleidung und zerschlagener  Gegenstände.
Der Schmerzensgeldanspruch richtet sich auf Genugtuung und den Ausgleich immaterieller Schäden wie z. B. Verletzungen, Schmerzen, Demütigungen.

- Maßnahmen zum Schutz von Kindern
Kinder sind von häuslicher Gewalt immer betroffen. Entweder sie werden selbst Opfer von Misshandlungen oder sie erleben Misshandlungen ihrer Mutter.

1. Sorge- und Umgangsrecht
Um eine weitere Gefährdung Ihres Kindes zu vermeiden, können Sie das alleinige Sorgerecht oder zumindest (ggf. per Eilverfahren) das Aufenthaltsbestimmungsrecht beim zuständigen Familiengericht beantragen.

Unabhängig von der Regelung des Sorgerechts behält der Vater ein Umgangsrecht mit den Kindern. Besteht dabei die Gefahr von weiteren (körperlichen, seelischen, sexuellen) Misshandlungen, können Sie beantragen, das Umgangsrecht einzuschränken oder auszusetzen bzw. einen betreuten Umgang anzuordnen.
Wir empfehlen Ihnen, sich im Vorfeld dieser Beantragungen beim zuständigen Jugendamt Rat und Hilfe zu holen.
(Hilfeeinrichtungen)

Für alle Zivilklagen empfehlen wir Ihnen, sich an eine Anwältin/einen Anwalt zu wenden.

Prozessbegleitung


Frauenbüro der Stadt Fulda
Schlossstr. 1, 36037 Fulda
Telefon: 0661/102-1040


Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Fulda e. V.
Frankfurter Straße 28
36043 Fulda
Telefon: 0661/4800450


Amtsgericht
Rechtsantragsstelle - Zimmer 2133
Königstraße 38
36037 Fulda

Runder Tisch gegen häusliche Gewalt Stadt und Landkreis Fulda
Arbeitskreis im Präventionsrat der Region Fulda

In diesem Netzwerk arbeiten Beratungsstellen, Hilfeeinrichtungen, Behörden, Justiz, und Ehrenamtliche zusammen mit den Zielen:

· Kurze Wege für Betroffene schaffen
· Intervention vor Ort optimieren
- Transparenz der jeweiligen Angebote und Verantwortlichkeiten
- Schnittstellen herausfiltern sowie Kooperations- und Koordinationsmöglichkeiten erarbeiten
· Probleme aus der Praxis aufgreifen, Analyse, Erarbeitung von Lösungswegen
· Präventionsmaßnahmen entwickeln
· Öffentlichkeitsarbeit (Fachveranstaltungen, Aktionen zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, Weltkindertag u.a.)
· Projekte zu konkreten Fragestellungen anstoßen
· Sorge tragen für die Sicherung und Förderung des bestehenden Hilfsangebotes
· Begleitung der politischen Entwicklung des Gewaltthemas auf Landes- und Bundesebene


Die AG erreichen Sie über das Frauenbüro der Stadt Fulda, Schlossstraße 1, 36037 Fulda

Rundgang 360
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Kontakt

Der Magistrat der Stadt Fulda
Schlossstraße 1
36037 Fulda
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Kontakt: Bürgerbüro