Stadt Fulda und die sieben Kommunen des Regionalforums Südwest sind ins Netzwerk der Kulturstraße „Via Regia“ aufgenommen worden -
Die Römer hatten es mit ihren Straßen als Länder und Menschen verbindendes Netzwerk vorgemacht. Was nach dem Untergang des römischen Reichs lange Zeit vergessen war, griff die „Via Regia“, die „Hohe Straße“, als prägende mittelalterliche Ost-Westverbindung für den Handel, wirtschaftlichen Austausch und Austausch der Gedanken wieder auf. In das vom Europarat initiierte Netzwerk der „Via Regia“ wurden während einer Feier in der Kapelle des Vonderau Museums die sieben Gemeinden des Regionalforums Fulda-Südwest sowie die Stadt Fulda aufgenommen.
4500 Kilometer lang
Fulda, Bad Salzschlirf, Großenlüder, Hosenfeld, Flieden, Neuhof, Kalbach und Eichenzell, die allesamt entlang der 4.500 Kilometer langen Verbindungsachse zwischen Santiago de Compostela und Kiew liegen, dürfen mit der Europarat-Kulturstraße werben. Zugleich verpflichten sich alle Beteiligte, am weiteren friedlichen Zusammenwachsen Europas mitzuwirken. Insofern gehe von der „Via Regia“ eine besondere „Symbolkraft“ aus, wie Fuldas Oberbürgermeister Gerhard Möller zur Eröffnung betonte. Darin waren sich auch alle Redner während der Aufnahmefeier ins Netzwerk einig.
Trampelpfade
Zunächst bestand die „Via Regia“ aus kaum mehr als „Trampelpfaden“. Nach und nach entwickelte sich aus den Pfaden im 8. Jahrhundert die Straße. Die Waräger (Wikinger) aus Kiew, die zum Beispiel Richtung Westen drängten, bildeten mit den unterschiedlichen Bewegungsströmen anderer Völker in Form von Wegen „Kettenglieder“, die in der „Via Regia“ zusammengewachsen sind. So diente die Straße dem Austausch von Gütern, Ideen und Sprachen. Jahrelang, so Caroline Fischer, Geschäftsführerin der Koordinierungsstelle der „Via Regia“ in Erfurt, sei das „Europa verbindende Band“ vergessen gewesen. Nach der politischen Wende in Osteuropa entstanden asphaltierte Straßen, auf denen sich Menschen wieder auf den Weg gemacht hätten. Dadurch hätten sie die „Via Regia“ wieder zu Leben erweckt. Insbesondere in der Region Fulda sei das spürbar. Ein Raum, in dem „uralte Geschichte und die katastrophale Trennung eines Landes in unfassbarem Maße“ erlebbar sind. Bevor die Urkunden an die beteiligten Kommunen überreicht wurden, lobte Fischer die „starke lokale Initiative“ und wies auf ein im vergangenen Jahr entstandenes „herausragendes Modell“ hin. 80 Partner zwischen Frankfurt und Krakau haben einen europäischen Erlebnisradweg geschaffen.
Vorbildcharakter
Staatssekretärin Nicola Beer (FDP), die auf Landesebene für Europa-Angelegenheiten zuständig ist, hob den weltweiten „Vorbildcharakter Europas“ hervor. Europa bilde ein Gewicht zwischen den USA und Asien. Gerade die „Via Regia“ könne den europäischen Gedanken fruchtbar in die Zukunft tragen. Gerade diese Kulturstraße sei ein „schönes Symbol für das Zusammenwachsen Europas.“ In diesem Zusammenhang plädierte Staatssekretärin Beer auch dafür, den Blick wieder mehr nach vorne auf die Wertgemeinschaft zu lenken.
Stephan Büttner, Kreisvorsitzender der Europa Union und Geschäftsführer des Regionalforums Fulda-Südwest dankte allen, die am Projekt mitgewirkt haben. Sein Wunsch: Die „Via Regia“ solle dazu beitragen, die friedliche Zusammenarbeit der Völker Europas noch weiter zu vertiefen. Begegnungen der Menschen untereinander trügen dazu bei, Vorurteile abzubauen.
Europa mache mehr aus als Handel und wirtschaftlicher Austausch, nämlich das Zusammenleben und Zusammenwachsen auf kultureller und sozialer Ebene, betonte Fuldas Oberbürgermeister. Möller dankte allen, die vor Ort für den Gedanken der „Via Regia“ geworben und dafür gesorgt haben, dass er Gestalt angenommen habe. Sein Dank galt insbesondere den Aktiven der Löherstraße. Die abendliche Feier rundete der Vortrag des Stadt- und Kreisarchäologe Dr. Frank Verse ab. Er beleuchtete die Bedeutung der „Via Regia“ im Mittelalter als Handels- und Reisesstraße, die sich als „Kette regionaler Straßen“ ausgebildet habe.
Fulda, 21. Februar 2012











