Archäologische Ausgrabungen im Schulhof der Dalberg-Schule

Im Zuge der Umgestaltung des Universitätsplatzes wurden archäologische Untersuchungen im Bereich des Schulhofs an der Ostseite der Adolf v. Dalberg-Schule notwendig, die von der Grabungsfirma "Gadu" aus Hohenstein in Thüringen durchgeführt wurden. Die Außenmauer des Schulgebäudes verläuft genau über den Resten der Stadtmauer, die so zur Fundamentierung dienten. Durch alte Stadtansichten und  pläne war bereits bekannt, dass der Stadtmauer hier ein Turm vorgelagert war. Dieser konnte bei einer Voruntersuchung im Jahre 2006 genau lokalisiert werden.

Der Turm bildete den Ausgangpunkt eines 35 m langen und 7,80 m breiten Grabungsschnittes, der von dort bis etwa zur Rabanusstraße verlief. Dadurch konnten die Stadtmauer, der Turm sowie vorgelagerte Wall-Graben-Strukturen in die archäologischen Untersuchungen einbezogen werden.

Der Stadtmauer waren zwei Gräben vorgelagert, zwischen denen ein flacher Wall nachgewiesen werden konnte. Vom äußeren bzw. östlichen Graben befand sich lediglich die westliche Flanke im Bereich der Grabungsfläche, während der überwiegende Teil unterhalb des anschließenden Gehwegs bzw. der Rabanusstraße liegt. Dieser östliche Graben wurde, wie im Profil zu sehen war, nicht gepflegt sondern sedimentierte langsam zu. Dabei fanden sich Hinweise, dass episodisch auch Wasser hier gestanden hat.

Der zweite, der innere bzw. westliche Graben verlief in einem Abstand von 9,14 m zur Stadtmauer bzw. von 3,14 m zum Stadtturm. Er war zwischen 10 und 12 m breit und reichte bis in eine Tiefe von 3,40 m und wird damit wohl wesentlich mächtiger gewesen sein als der äußere Graben. Im Gegensatz zu diesem wurde er regelmäßig gereinigt, bis er zur Barockzeit in einem Zug verfüllt wurde. Der stark humose Boden oberhalb dieser Verfüllung bestätigt die zwischenzeitliche Nutzung dieses Areals als Gartenfläche. Zwischen den beiden Stadtgräben befand sich ein flacher Wall, der unter anderem aus dem Aushubmaterial des westlichen Grabens aufgebaut war. Dieses Sediment fand sich auch westlich des Grabens in Richtung der Stadtmauer.

In dieses Sediment hinein war das Fundament des Turmes eingegraben worden. Durch die Ausgrabung konnte dessen Tiefe mit genau 1,90 m ermittelt werden. Es wies eine Breite von bis zu 1,60 m auf und war ohne Baugrube angelegt worden. Die Steine des Fundaments wurden also gegen die anstehende Erde aufgebaut. Kleinere Zwischenräume wurden mit Mörtel grob verfüllt, so dass das Fundament entsprechende Anhaftungen zeigt. Von dem einstmals sichtbaren Mauerwerk waren nur noch maximal zwei Steinlagen erhalten. Der Turm war rund und hatte einen Durchmesser von 6 m. Sein ursprünglicher Zugang konnte im stadtwärtigen Teil nachgewiesen werden. Der Turm war zu einer unbekannten Zeit in die Stadtmauer eingefügt worden. Dazu hatte man an die Kontaktstelle von Turm und Mauer die letztgenannte partiell entfernt, um den Turm einzubinden. Die Nahtstelle wurde mit passenden Steinen vermörtelt und wieder geschlossen.

Überraschenderweise zeigte sich, dass das Fundament der Stadtmauer nicht tief gegründet war. Es reichte nur 2,20 m unter die heutige Geländeoberfläche hinab. Die beiden untersten Steinreihen waren schräg in den Boden verlegt worden und bildeten die Basis der darüber liegenden horizontal verlegten Steinreihen. Opus spicatum, wie es an anderen noch erhaltenen Teilen der Stadtmauer teilweise zu beobachten ist, konnte hingegen hier nicht nachgewiesen werden.

Beim Aufgraben des Kontaktbereiches von Turm und Mauer fiel eine Traufpflasterung auf. Zunächst war ein barockzeitliches Alter dieser Pflasterung angenommen worden. Dies stellte sich bald als Irrtum heraus weil im Sediment unter dem Bettungssand Fundgegenstände lagerten die eindeutig zu einem späteren Zeitpunkt in die Erde gelangt sein müssen.

Bei den Ausgrabungen wurden insbesondere in den Gräben zahlreiche Funde gemacht. Vor allem handelte es sich dabei um die Reste von Tongefäßen, die vom Mittelalter bis in die Barockzeit und teilweise noch darüber hinaus reichten. Außerdem wurden Knochen von Haustieren entdeckt. Sowohl die Keramik als auch die Tierknochen gelangten überwiegend als Abfallprodukte in die Gräben, um dort entsorgt zu werden.
 
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch eine Kupferschieferknolle, die in etwa 0,40 m Tiefe unter der Traufpflasterung gefunden wurde und die die Versteinerung eines etwa 15 cm langen Fischfossils, des sog. Perm-Herings ("Palaeoniscus cf. freieslebeni") zeigt. Die Tiefe der Fundschicht im Grabungsbefund lässt auf eine mögliche Zuordnung auf die alte Universitätssammlung schließen, zumal die neueren Sammlungen des Naturkundevereins nie in diesem Gebäude untergebracht waren. Dann wäre dieses Fossil der bisher einzige Nachweis auf die erste naturwissenschaftliche Sammlung der Adolphina!

Die archäologischen Untersuchungen an der Ostseite der Adolf v. Dalberg-Schule erbrachten somit nicht nur neue und weiterführende Erkenntnisse zur fast 900jährigen Geschichte der Stadtbefestigung, sondern konnten unverhofft auch ein interessantes Schlaglicht auf die immerhin mehr als 200jährige geologische und mineralogische Forschung in Fulda werfen.

Die Mauerreste werden nach Beendigung der Ausgrabung geschützt
Stadtturm von oben
Fundament des Stadtturms
Schnitt mit Ansatz des Grabens links
Besucherführung am "Tag der offenen Tür"
 

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